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Der Mann von morgen : Lauter Problembärchen

  • -Aktualisiert am

Das Patriarchat ist am Ende, die Jungs von heute stecken in einer Krise. Besonders, wenn ihnen männliche Vorbilder fehlen und sie bildungsfern aufwachsen. Ist die Zeit reif für „Väterkurse“? Und wie soll der Mann von morgen überhaupt aussehen?

          Das 21. Jahrhundert hat für den Mann nicht sehr erhebend begonnen. Durch Jahrtausende der Stammesgeschichte hatte er Chef gespielt, im großen und ganzen war er mit der eigenen Bilanz zufrieden. Abgesehen von der üblichen Nörgelei aus feministischen Akademikerinnen-Kreisen schien niemand an seinem gleichsam naturgegebenen Verwendungszweck als „Haushaltsvorstand“ zu zweifeln. Von ihm aus hätte das die nächsten 3000 Jahre so weitergehen können. Doch in jüngster Zeit läuft es nicht mehr richtig rund. Es häufen sich Mängelbefunde.

          Im postheroischen Zeitalter, so hört man, wisse der Mann nicht mehr viel mit sich anzufangen. Ritter, Cowboys oder Eroberer braucht kaum noch jemand. Der Mann von heute dreht deshalb ratlos Runden auf fahrbaren Rasenmähern oder versinkt tagelang vor Videospielen. Seine traditionelle Rolle als Ernährer kann er kaum noch erfüllen, weil es zu wenig und zu schlecht bezahlte Arbeit gibt. Neuerdings arbeiten Frauen auch ganz gern in interessanten Berufen. Das sorgt bei Männern für zusätzliche Verwirrung und erhöhten Konkurrenzdruck. Damit kommt der Mann nicht klar, folglich drückt er sich vor dem Erwachsenwerden, der Übernahme von Verantwortung und vor langfristigen Bindungen.

          Mädchen auf der Überholspur

          Statistisch gesehen befindet er sich im Zeugungsstreik. Im Knabenalter entwickelt er sich mehr und mehr zum Schulversager. Mädchen sind inzwischen in fast allen Schulfächern besser und an den Universitäten in der Überzahl. Sie gelten als fleißiger und zielstrebiger. Für die Anforderungen der modernen Arbeitswelt scheinen sie besser gerüstet, denn sie verfügen über „soft skills“, die Männer zwar gern in Vorstellungsgesprächen aufzählen, aber eigentlich albern finden. Frauen dagegen sind oft tatsächlich teamfähig, kommunikativ und emotional intelligent.

          Ein paar Jahre „Gender Mainstreaming“ - seit 1997 offizielle EU-Politik, die Bürokraten als „durchgehende Gleichstellungsorientierung“ übersetzen - haben ausgereicht, um den Mann in ein psychisch labiles Problembärchen zu verwandeln. Es scheint, als haben die Jungen das ewige Pausenhofspiel „Die Mädchen fangen die Jungen“ für immer verloren. Und weil Jungs schlecht verlieren können, werden sie verhaltensauffällig. Von „Boy Crisis“ oder einer „Jungenkatastrophe“ ist in der Fachliteratur die Rede. Hinter dem Schlagwort steckt die Beobachtung, daß Jungen erheblich häufiger als Mädchen in der Schule versagen, stärker an Aufmerksamkeitsstörungen leiden und immer öfter zu Gewalt neigen. Ein Grund für diese Entwicklung, so wird vermutet, liege in der Tatsache, daß es den Jungen meist an männlichen Vorbildern fehlt. Väter kümmerten sich entweder zu wenig um die Söhne oder steckten selbst in der Identitätskrise. In Großstädten liegt die Scheidungsrate bei mehr als fünfzig Prozent, fast immer ist es dann die Mutter, die den Jungen allein erzieht. An den Grundschulen sind rund neunzig Prozent der Lehrkräfte weiblich, an weiterführenden Schulen sind es inzwischen mehr als die Hälfte. Lehrerinnen jedoch, so vermuten Entwicklungspsychologen, bevorzugten häufig ihre kleinen Geschlechtsgenossinnen im Unterricht. Bei den Jungen fehle ihnen oft die richtige Ansprache.

          Schulversagen als soziales Problem

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