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Komödiant Oliver Polak : Magst du Juden?

  • -Aktualisiert am

Sein Buch heißt „Gegen Judenhass“: Oliver Polak. Bild: Theodor Barth/laif

Lange hat Oliver Polak Witze über sich selbst gemacht. Jetzt macht er mit dem Appell gegen Antisemitismus ernst. Und hat deswegen ein Buch geschrieben, das viele Fragen offen lässt.

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          Wir können nicht mit Sicherheit sagen, welches Ereignis der letzten Monate es konkret war, das den Comedian, Autor und Moderator Oliver Polak dazu gebracht hat, ein Buch mit dem unzweideutigen Titel „Gegen Judenhass“ zu schreiben. War es Björn Höckes Forderung nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ oder Björn Höcke als solcher, war es bereits der AfD-Erfolg bei der Bundestagswahl 2017, waren es die immer erschreckender ausfallenden pro-palästinischen Proteste wie zuletzt bei der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, bei denen mehrheitlich junge Deutsche mit türkischen und arabischen Wurzeln israelische Fahnen verbrannten und dabei „Jude, Jude, feiges Schwein!“ und „Kindermörder Israel“ grölten? War es der Gürtel-Angriff auf einen Kippa-Träger im Berliner Prenzlauer Berg, der gleich doppelte Angriff auf den israelisch-amerikanischen Professor Yitzhak Melamed im Hofgarten der Universität Bonn, waren es die immer und immer wieder erscheinenden antisemitischen Karikaturen in renommierten Tageszeitungen, oder waren es die schamlos verbreiteten anti-jüdischen Ressentiments des Rappers Kollegah, die auch einer Verleihung des Echo offensichtlich nicht im Wege standen?

          Nun, Alexander Gaulands Bezeichnung der NS-Diktatur als Fliegenschiss, sein jüngstes öffentliches Zitieren aus dem „Handbuch der Judenfrage“, der Angriff auf ein jüdisches Restaurant in Chemnitz, die Formierung eines weiteren BDS-Auswuchses namens #DJsForPalestine oder die groteske, leicht durchschaubare Bildung der Gruppe „Juden in der AfD“ können es nicht gewesen sein – das war ja alles gerade eben erst, da war Polak mit dem Schreiben wahrscheinlich schon durch.

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