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Nawalnyj bekommt keine Bücher : Ist der Koran extremistisch?

  • -Aktualisiert am

Totale Isolation ist garantiert: Die Strafkolonie IK-2 in der Stadt Pokrow, wo Alexej Nawalnyj einsitzt Bild: AFP

Der inhaftierte russische Oppositionspolitiker darf seine Bücher nicht lesen, weil sie erst geprüft werden sollen. Nun will er den Koran studieren. Doch der tschetschenische Republikchef sagt, er habe nicht das Recht, das Buch zu berühren.

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          Dem inhaftierten russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj, der seit Monatsbeginn im Hungerstreik ist, weil ihm medizinische Behandlung verweigert wird, werden außerdem seine Bücher, bis auf die Bibel, vorenthalten. Insbesondere der Koran, den Nawalnyj in der Haft gründlich studieren wollte, wie er über Instagram mitteilt, als Teil eines Selbstverbesserungsprogramms, müsse in seiner Strafkolonie erst auf Extremismus überprüft werden, habe ihm die Anstaltsleitung erklärt. Das nehme drei Monate in Anspruch. Daraufhin habe er gegen die Strafkolonie in Pokrow, wo er einsitzt, Anzeige erstattet, so Nawalnyj. Der Häftling, der sich als Christ positioniert, hatte sich einst gegen den Bau neuer Moscheen für Moskauer Migranten sowie gegen das Tragen eines Kopftuchs ausgesprochen und gilt vielen russischen Muslimen als islamophob.

          Diese Ansicht teilt der tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow, der erklärte, Nawalnyj sei ein Feind und Verräter und wolle nur Zitate aus dem Koran für politische Provokationen benutzen, wie das in Europa üblich sei. Kadyrow ermahnte die Leitung der Strafkolonie, sie solle Nawalnyj nicht erlauben, interreligiöse Zwietracht zu säen. Nur wenn er wirklich bereuen und sich zum Islam bekehren wolle, habe er das Recht, den Koran zu lesen. Andernfalls dürfe er ihn mit seinen unreinen Händen gar nicht berühren. Der Häftling solle sich lieber in die Ecke seiner Zelle stellen und über seine Handlungen nachdenken.

          Zuvor hatte der Moskauer Priester der Russischen Orthodoxen Kirche Alexej Uminski in einer Videoansprache alle Verantwortlichen gebeten, Nawalnyj sowie andere Häftlinge, denen die ärztliche Behandlung vorenthalten wird, medizinisch versorgen zu lassen, wofür er vom orthodoxen Fernsehkanal „Spas“ (Erlöser) als „Verbrecher in der Priesterkutte“ geschmäht wurde. Christus habe dazu aufgerufen, jeden Menschen hinter Gittern so zu behandeln wie ihn selbst, hatte Uminski gemahnt. Dass einem Häftling in Russland ärztliche Hilfe versagt werde, sei leider kein Einzelfall, und das Schicksal Nawalnyjs, der den Missstand öffentlich mache, könne helfen, das Problem zu lösen. Der Jurist und frühere Innenministeriumsmitarbeiter Sergej Karnauchow, der 2009 das erste Strafverfahren gegen Nawalnyj wegen Veruntreuung initiiert hatte, bezichtigte bei „Spas“ den Geistlichen daraufhin des Extremismus und rief dazu auf, ihn zu verhaften, bevor Leute wie er mit westlichen Techniken des friedlichen Regimewechsels „unsere Kirche“ in den Abgrund gestürzt hätten. Der Moderator hatte Karnauchow als „tief gläubig“ vorgestellt. Der Sender entschuldigte sich bei Uminski, nachdem dieser erklärt hatte, andernfalls würde er nie mehr mit „Spas“ zusammenarbeiten.

          Nawalnyjs Frau Julia hatte nach einem Treffen mit ihrem Mann berichtet, er sei abgemagert und schwach. Daraufhin kündigten die Behörden an, sie wegen ihrer „Neigung zu Ordnungswidrigkeiten“ unter Polizeiaufsicht zu stellen.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

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