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Zunehmende Radikalisierung : Hass unter Nachbarn

Die Opfer des Anschlags von Hanau dürfen nie vergessen werden Bild: AFP

Migranten, Juden, Kopftuchträgerinnen: Hassbotschaften nehmen nicht nur im Netz zu. Verbände sind alarmiert. Denn Hass zielt immer auf Vernichtung.

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          Wer hasst, findet schnell Verbündete. Ein paar Klicks nur, und der Hassende ist mit Gleichgesinnten vernetzt, die ihm applaudieren. So schaukeln die Verbündeten im Geiste einander gefährlich hoch. Ohne Gegenüber gibt es keine Selbstradikalisierung. Der Hass ist dabei breit gestreut und kennt keine Grenzen. Frauen sind bliebte Hassobjekte, Flüchtlinge, Juden, Befürworter strenger Corona-Regeln, LGBTQ-Personen, Polizisten, Politiker, und seit der Pandemie trifft die Hetze auch vermehrt Virologen. Eine klassische Zeitung könne Hass allenfalls zentral verbreiten und dem, der sie liest, individuell verabreichen, schreibt Ute Frevert in ihrem Buch „Mächtige Gefühle“. Demgegenüber erlaubten und begünstigten es die neuen digitalen Medien, Hass kollektiv und von unten zu erzeugen, zu teilen und zustimmend zu kommentieren. Dadurch gewinnt er an Durchschlagskraft, „fühlt sich gut an und stiftet eine emotionale Gemeinschaft“.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Hass gehört zum täglichen Geschäft von Roman Jeltsch. Er ist stellvertretender Leiter der Frankfurter Beratungsstelle Response, die ein wichtiger Anker für all jene ist, die von rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen sind. Jeltsch und sein kleines Team beraten Opfer, hören zu, helfen bei Behördengängen, vermitteln Ärzte. Viele der Hinterbliebenen des rechtsterroristischen Hanauer Attentats, bei dem vor einem Jahr neun Menschen ermordet wurden, finden bei Response Unterstützung.

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