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Verständigung am EuGH : Wo die hundert Sprachen blühen

  • -Aktualisiert am

Bunter als er aussieht - jedenfalls, wenn es um Sprachen geht: der Europäische Gerichtshof in Luxemburg Bild: dpa

Ein Ort, an dem die Sprachen Europas schwesterlich versammelt sind: Der Europäische Gerichtshof ist ein leuchtendes Beispiel für angewandte Sprachvielfalt. Und europäische Raffinesse.

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          Der Luxemburger Gerichtssaal ist gefüllt mit rund hundert jungen Leuten, die sich mit den Kopfhörern ausrüsten, die sie in den Lehnen ihrer Sitze vorfinden. Es ist eine notwendige Bedingung, um dem Hochamt der Vielsprachigkeit folgen zu können, das zur Routine des höchsten europäischen Gerichts gehört, und das sie jetzt gleich erleben werden.

          Bevor die Verhandlung beginnt, werden Urteile früherer Verfahren verlesen, eines auf Italienisch, ein zweites auf Niederländisch und Französisch. Fünf junge Damen in schwarzen Talaren, die Anwältinnen, betreten den Saal und plazieren sich gegenüber der Balustrade, auf der fünf Richter in roten Roben Platz nehmen. Der Kanzler ruft den Fall auf in französischer Sprache und bittet die Anwältinnen, ihre Plädoyers vorzutragen. Die junge Anwältin tritt in den Redestand und trägt ihre Sache vor – auf Estnisch. Die zweite Anwältin wird gebeten, ihre Sache zu vertreten. Sie plädiert wieder auf Estnisch. Einer der Richter, ein Däne, stellt ihr eine Frage, auf Englisch. Auch der Vorsitzende interveniert kurz auf Englisch, fordert die dritte Anwältin aber wieder auf Französisch auf, das Wort zu ergreifen. Anwältin Nummer drei spricht Lettisch, Anwältin vier Ungarisch und Anwältin fünf Polnisch.

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