Der Einfluss der Salafisten : Demokratie ist das Gegenteil von Islam
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Reliogionsfreiheit gegen Meinungsfreiheit
Überall und teilweise mit Erfolg versuchen die mit Petrodollars finanzierten Salafisten ihre immergleiche Strategie durchzusetzen, öffentliche Plätze zu besetzen, als Freiheitskämpfer, Moralapostel und die wahren Gläubigen wahrgenommen zu werden. In Ägypten wurde die „Partei des Lichts“, wie sie sich dort nennen, mit fast dreißig Prozent ins Parlament gewählt, in Tunesien besetzen sie Universitäten und Moscheen und predigen im Parlament, in Marrakesch rasen sie mit Mopeds und „Allah-Akbar“ Rufen durch die Medina, bei uns beten sie öffentlich und auf Youtube.
Theologisch betrachtet sind diese Islamisten ein mittelalterlicher Scherz, Scheinheilige. Optisch eher Islampunks mit Käppi und Zauselbart, sind sie jedoch so ernst zu nehmen wie der schwarze Block. Reaktionäre glänzen selten durch intellektuelle Leistungen, sondern meist durch ihre Aggressivität, Dreistigkeit und die schlichte, ahistorische Freund-oder-Feind-Weltsicht.
Wie reagieren die hiesigen Medien und die Öffentlichkeit? Zunächst einmal hilflos. Die Tagesschau zeigt ältere Damen, die von freundlichen Männern mit Strickkäppis Bücher entgegennehmen, man verbreitet die Legende von angeblich 25 Millionen Gratis-Koranexemplaren, die verteilt werden sollen. Die Politiker wägen Religionsfreiheit gegen Meinungsfreiheit ab und hoffen, das nichts passiert.
Die Scharia darf nicht als Familiengesetz gelten
„Über die Wichtigkeit der Lektüre des Koran für alle (...) besteht kein Zweifel“, erklärt der Koordinierungsrat der Muslime (KRM) zu der Koranverteil-Aktion. Man erhoffe sich, dass das heilige Buch dadurch nicht „instrumentalisiert“ wird. Ali Kizilkaya, der Sprecher des KRM sieht die Aktion „nicht als Grund zur Beunruhigung“, und der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Ayman Mayzek, hält die Verteilung des Korans „grundsätzlich“ für eine „vielversprechende Tat“, begründete dies mit Weisheit, die dem Koran innewohne, und der Einladung zum Dialog. Keine Empörung und kaum Hinweise auf die antidemokratischen Ziele dieser Sektierer, keine Auseinandersetzung mit deren religiösem Eifer, sondern nur die Sorge um ein weiteres „belastendes Diskussionsfeld“.
Das Bild des Islam kann sich nur verbessern, wenn die Muslime und ihre Verbände aktiv die Religionsfreiheit gegen solchen Missbrauch verteidigen. Wenn sie die demokratischen Rechte nicht nur zu ihrem Schutz beanspruchen. Dazu gehört es, sich offen von der politischen Ideologie der Islamisten abzugrenzen. Die Muslime selbst müssen in das von Fundamentalisten und Terroristen besetzte Herz der Finsternis ihrer Religion blicken und sich als wehrhafte Demokraten positionieren.
Sie könnten zum Beispiel mit einer Erklärung auf der Islamkonferenz in dieser Woche zeigen, dass sie die salafistische Auffassung ablehnen, dass die Scharia nicht als Straf- und Familiengesetz gelten darf und das die Gefahr des Fundamentalismus in den eigenen Reihen lauert.
In Tunis fand sich kein Student, kein Professor, weder Politiker noch Imam, um den Salafisten entgegen zutreten. Alle hatten Angst, sich mit ihnen anzulegen - zum einen, weil sie die „Ungläubigen“ tatsächlich bedrohen und zum anderen, weil niemand als Feind der neuen Freiheit gelten möchte. Erst als zweihundert französische Universitäten die Besetzung der Manouba-Universität als Meinungsterror und Akt gegen die Freiheit der Wissenschaft ächteten, reagierte das von der islamistischen En-Nahda-Partei geführte Bildungsministerium und beendete die vorher mit Wohlwollen geduldete Besetzung. Es war nicht viel mehr als ein Streifenwagen nötig. Am nächsten Tag kamen die Studentinnen wieder zum Studieren an die Universität. Einige mit Niqab.