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„Framing“ als Modeerscheinung : Der Bürger wird ständig unterschätzt

  • -Aktualisiert am

Im „Frame“: Elisabeth Wehling Bild: Imago

Aus wissenschaftlicher Perspektive steht das Framing-Gutachten der ARD auf dürftigem Fundament. Das popularisierte Konzept mag gerade in Mode sein. Doch es beruht auf einer sehr schlichten Vorstellung vom Wesen politischer Debatten.

          5 Min.

          Stattliche 120.000 Euro hat sich die ARD eigenen Angaben zufolge die Framing-Beratung von Elisabeth Wehling kosten lassen. Damit vertraute der Fernsehsender auf ein Kommunikationskonzept, das zum Kampfbegriff im öffentlichen Diskurs geworden ist. In der Wissenschaft spielt der Ansatz der Linguistin hingegen kaum eine Rolle, weil er eine unterkomplexe Vorstellung von politischen Diskursen voraussetzt.

          Seit einigen Jahren erobert der Begriff „Framing“ die Öffentlichkeit. Unter Titeln wie „Die Macht der Wörter“ oder „Moral schlägt Argument“ haben viele Medien ein ursprünglich wissenschaftliches Konzept zur Erklärung unterschiedlichster Phänomene herangezogen. Der Wahlsieg von Donald Trump, die Erfolge der AfD, das Scheitern der Wahlkampagne von Martin Schulz – all diese Dinge hätten, so wurde insinuiert, wesentlich mit dem Sprachgebrauch verantwortlicher Politiker zu tun. Die Rahmen – oder „Frames“ –, die sie in ihren Statements verwenden, würden einen maßgeblichen Einfluss auf die politische Meinungsbildung der Bevölkerung ausüben. Wer etwa von „Staatsversagen“ rede, „spricht dem Staat in letzter Konsequenz die Legitimität ab“, heißt es in einem „Frame-Check“ der „Süddeutschen“, weil es sich um ein „absolutes Urteil“ handle, das dem Staat grundsätzlich die Fähigkeit aberkenne, Probleme zu lösen. Bestimmte Begriffe implizieren, wenn sie verwendet werden, eine ganze Reihe anderer Vorstellungen, die immer mit aufgerufen werden, so die These.

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