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Der Brexit und die Folgen : Breit mit Boris

Für die Ähnlichkeit mit Boris Johnson kann die Goldammer nichts. Bild: Reuters

Leere Supermärkte, knappe Medikamente: Gibt es nichts Positives nach dem Brexit? Doch, sagt die britische Regierung – die Rückkehr der Duty-Free-Läden.

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          Er ist laut, macht sich überall wichtig und trägt einen buschigen blonden Kopf auf den Schultern: Dass die Experten der britischen Regierung ihr Worst-Case-Szenario für das Königreich bei einem ungeregelten EU-Austritt („Yellowhammer“) ausgerechnet nach dem umtriebigen Vogel Goldammer benannt haben, lässt einen Galgenhumor aufscheinen, der wahrscheinlich angebracht ist.

          Wer leeren Supermärkten, Medikamentenunterversorgung, Megastau und Aufruhr ins Auge blickt, dem muss ein heimlicher Fingerzeig nach dem Urheber des ganzen Elends ein Herzensbedürfnis sein, und sei es auf dem Rücken eines Vogels, der für seine Ähnlichkeit mit Boris Johnson ja nichts kann.

          Man sieht sie geradezu vor sich, die bis in die Haarspitzen loyalen Beamten, die Daten zusammentragen und daraus entsetzliche Perspektiven entwickeln, während einmal täglich die Johnson-Entourage anruft, die lästigen Details fortwischt, angesichts der drohenden inneririschen Grenze Eigeninitiative und Selbstorganisation von den Staatsdienern verlangt und fragt, wo denn um alles in der Welt das Positive bleibt?

          Die Regierung verspricht steuerfreies Bier

          Abends im Pub, vor sich das Glas mit „London Pride“, werden sie nach einer Antwort gesucht haben, mit der man die Anrufer zufriedenstellen könnte. Dass sie jetzt die freiwerdenden Jobs aufgrund der Abwanderung der Banken, der Handwerker und Ärzte besser nicht ins Feld führen, ist ihnen klar. Und auch, dass die Erwartung, die verschreckten Europäer würden ihren Urlaub künftig andernorts verbringen und die Unterkunftssuche in Yorkshire für die Briten einfacher machen, die Sache nicht rausreißt. Ein paar Bier später aber müssen dann die Beamten auf eine Idee gekommen sein, die ihnen wohl endlich das Lob der Vorgesetzten eingetragen hat.

          Jedenfalls verbreitete nun das britische Wirtschafts- und Finanzministerium auf Twitter den Hinweis, bei einem ungeregelten Brexit werde es künftig zwischen dem Königreich und Europa wieder Duty-Free-Läden geben: „Bier, Wein, Spirituosen und Zigaretten“ könnten dort dann steuerfrei erworben werden. Breit mit Boris, so werden dankbare britische Touristen aus den Fähren taumeln. Falls sie nicht im ebenfalls unbelieferten Duty-Free vor so leeren Regalen stehen wie im heimischen Supermarkt. Den Aufschrei würde man bis Brüssel hören.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

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