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Deprimierende Neubauten : Von solchen Räumen wenden sich die Menschen ab

  • -Aktualisiert am

Der Baum als Hoffnungsträger: Mehrfamilienhäuser im Frankfurter Europaviertel Bild: dpa

Seelenloses Rendite-Design und stumme Konformität: Ein Architekt erklärt, warum wir uns in neuen Stadtvierteln nicht wohlfühlen.

          5 Min.

          Es gibt in Juli Zehs Roman „Unterleuten“ eine heiter vorgetragene, nichtsdestotrotz düstere Beschreibung des umtriebigen Managers Pilz, einer Verkörperung des Zeitgeistes schlechthin, der sich danach sehnt, „alles richtig zu machen“ und verschlossen ist gegen das Leben durch einen Panzer aus effizienter Leistungsbereitschaft. Man kann dies wie ein trauriges Gleichnis auf unsere gegenwärtige Welt des Bauens lesen: Auch hier, so ist das zumindest im Mainstream des Architekturdiskurses zu beobachten, scheint alles nivelliert und plan gemacht durch die von Juli Zeh beschriebene Form des unbedingten Leistungswillens. Es ist, als hätten die Verhältnisse uns und, was noch schlimmer ist, auch unsere Werke dressiert zu einer rigide-stummen Konformität, welche den Ausdruck von neueren Stadtarchitekturen wie dem Potsdamer Platz in Berlin bis hin zu der Hafencity in Hamburg bestimmt. Wie? Wir Architekten, Denker und Baumeister – Konformisten, Angepasste, Niedergedrückte der total ökonomisierten Verhältnisse? Ich möchte behaupten: ja.

          Aber: Das ist, für sich genommen, kein Problem. Denn es wäre von heute auf morgen änderbar. Durch eine Besinnung auf die Frage, was Architektur sein kann und damit auf die Frage, was ihr antreibendes Moment durch die Jahrhunderte hindurch war. Was die ihr eigenen Momente der Schönheit zu erzeugen vermochte, die wir in der Wucht antiker Säulenarchitekturen, der wundersamen Poesie eines Kapitolsplatzes in Rom oder der Neuen Nationalgalerie Mies van der Rohes finden können. Denn eine solche Schönheit stellt sich nicht von selbst ein, sie ist vielmehr gegründet auf einer spezifischen Perspektive, der architektonisch reflektierten Suche nach Bedeutung, nach Sinn, kurz: der Suche nach Wahrheit, welche aus gelungenen, poetischen Werken spricht, die sie, die Wahrheit, nie besitzen können, aber durch das Werk hindurch auf etwas verweisen, worin sie sich entfalten mag.

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