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Denkmalstreit in England : Der Preis der Heldenverehrung

  • -Aktualisiert am

Selbst das Denkmal von Mahatma Gandhi am Parliament Square ist offenbar vor dem Zorn der Aktivisten nicht sicher. Bild: Getty

In der Denkmaldebatte findet die britische Gesinnung ihren Ausdruck. Jetzt werden die blinden Flecken einer auf Ruhm und Größe ausgerichteten Erinnerungskultur sichtbar.

          7 Min.

          In „1066 and all that“, ihrer köstlichen Satire auf die altmodische Darstellung der englischen Geschichte als Abfolge von Meilensteinen auf dem Weg zur Weltmacht, bewerten Walter Carruther Sellar und Robert Julian Yeatman Figuren und Ereignisse als entweder gut oder schlecht. Dazwischen gibt es nichts. Als Kriterium zählt, ob die Person oder die Handlung den Aufstieg Englands zur „Spitzennation“ gefördert hat. So gilt die römische Eroberung, mit der das Buch beginnt, als „gute Sache“, weil die Briten bis dahin „bloß Eingeborene waren“. Der Versailler Frieden wird dagegen als „schlechte Sache“ bezeichnet, weil Amerika daraufhin „eindeutig ,Spitzennation‘ war und die Geschichte an ihr Ende geriet“ – Jahrzehnte bevor Francis Fukuyama seine These vom Ende der Geschichte postulierte.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Das zum Klassiker gewordene Buch von Sellar und Yeatman ist 1930 erschienen. Geschichte wird heute an englischen Schulen anders, aber weiter mangelhaft gelehrt. Das historische Selbstverständnis, das die beiden Humoristen parodieren, bestimmt bis heute die von Sternstunden getragene britische Erinnerungskultur, mögen Akademiker noch so sehr auf Grautöne und Schattenseiten hinweisen. Dafür lieferte Boris Johnson im Februar mit seiner Grundsatzrede über die glorreiche Zukunft Britanniens nach dem Brexit ein Paradebeispiel.

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