https://www.faz.net/-gqz-9oan0

„Deep Fake“-Videos : Das würde ich nie sagen

  • -Aktualisiert am

Würde Barack Obama seinen Amtsnachfolger „Idiot“ nennen? Wenn er mit der Stimme von Jordan Peele spricht, schon. Bild: Youtube

Das gesprochene Wort gilt nicht mehr. Zumindest nicht im Internet, wo sich Videos verbreiten, die Prominenten täuschend echt falsche Sätze in den Mund legen. Die „Deep Fakes“ sind eine Gefahr.

          3 Min.

          Es ist eine bittere Warnung, die Barack Obama im April 2018 in einem auf Youtube zirkulierenden Video aussprach: Es breche ein Zeitalter an, „in dem unsere Feinde den Anschein erwecken können, dass ein beliebiger Mensch beliebige Worte sagt – auch wenn er Derartiges in Wahrheit niemals sagen würde.“ Zum Beispiel? „Präsident Trump ist ein totaler und absoluter Vollidiot“, sagt Barack Obama mit ernster Miene in die Kamera. Man staunt und guckt noch mal – aber er scheint es wirklich zu sein, dies ist kein Schauspieler, der den Ex-Präsidenten verkörpert. „Natürlich würde ich so etwas nie sagen“, fährt Obama fort, „zumindest nicht öffentlich. Aber jemand anders würde das tun. Zum Beispiel Jordan Peele.“

          Und plötzlich rückt ein zweiter Screen ins Bild, auf dem der Komiker, Schauspieler und Regisseur zu sehen ist – als Quelle von Obamas Worten. Eine Software überträgt seine Lippenbewegungen und Mimik fast nahtlos auf Obamas Gesicht. Ein Jahr später ist die Finesse von Peeles Demonstration längst überholt, die Software für solche sogenannten „Deepfakes“ inzwischen für fast jedermann leicht zugänglich. Aber die Warnung von Peele ist keineswegs veraltet: „Wie wir uns im Informationsalter vorwärtsbewegen, wird bestimmen, ob wir überleben oder in eine total verkorkste Dystopie abgleiten.“ Jeremy Kahn, Technologie-Experte von Bloomberg News, bezeichnet solche Videos als „Fake News auf Anabolika“. „Buzzfeed“ titelte: „Sie blicken der Zukunft von Fake News und Propaganda ins Gesicht.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung

          : blackweek20

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          First Daughter Ashley Biden : Ganz anders als Ivanka

          Die First Daughter Ashley Biden hat eine bewegte Vergangenheit. Die starke Schulter ihres Vaters strapazierte sie oft. Heute ist sie Sozialarbeiterin. Ganz auszuschließen scheint sie eine Beraterrolle im Weißen Haus aber nicht.
          Aufklärung: Eine Altenpflegekraft mit einem Antigen-Schnelltest bei einer Bewohnerin

          Inzidenz in Kleinstadt bei 550 : Super-Hotspot in der Provinz

          Eine aus zwei Dörfern bestehende Kleinstadt in der hessischen Provinz gilt plötzlich als Super-Hotspot. Die Inzidenz von 550 spricht für sich. Der Bürgermeister kennt den Ort des Corona-Ausbruchs. Und hofft auf Hilfsbereitschaft.
          Ein Reisepass aus Malta (hier von unserem Illustrator verfremdet) ist manchen Investoren viel Geld wert.

          Staatsbürgerschaftshandel : Goldene Pässe für Superreiche

          EU-Länder wie Zypern und Malta verkaufen ihre Staatsbürgerschaft gegen teures Geld. Ist das in Ordnung? Christian Kaelin, der als „König der Pässe“ bekannt ist, verteidigt das Geschäftsmodell.