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Knigge und Social Media : Darf ich meinen Schlossbesuch posten?

  • -Aktualisiert am

Im New-Yorker Restaurant „Hearth“ wird das Smartphone in eine Kiste verbannt. Bild: dpa

Die Feinheiten des sozialen Umgangs müssen angepasst werden: Das britische Mode- und Gesellschaftsmagazin „Tatler“ stellt in seiner jüngsten Ausgabe dar, wie die feine englische Art zu Instagram, Whatsapp und Co. steht. Eine Glosse.

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          Zu den pointierten Beobachtungen des im Zweiten Weltkrieg gedrehten Filmklassikers „Das Leben und Sterben des Colonel Blimp“ gehört die Szene, in der ein Deutscher zu einer britischen Herrenrunde stößt, die gerade beim Digestif angelangt ist. Dem ausländischen Gast wird ein Glas Portwein angeboten. Die Karaffe steht etwas zu seiner Linken. Von dieser Seite darf aber nicht eingeschenkt werden. Traditionsgemäß muss das dekantierte Getränk nun nach links von Gast zu Gast weitergegeben werden – „im Uhrzeigersinn“, wie einer aus der Runde im Film belehrt – damit der Nachbar zur Rechten schließlich das Glas füllen kann.

          Niemand weiß, woher diese eiserne Regel kommt, über die leicht stolpern kann, wer nicht „Debrett’s“ Benimmfibel studiert hat, die des Unternehmens also, das die Briten seit 1769 in die Feinheiten des sozialen Umgangs einweist. Früher, meint das Mode- und Gesellschaftsmagazin „Tatler“ in seiner jüngsten Ausgabe, habe „Debrett’s Guide to Etiquette and Modern Manners“ das Rüstzeug zur sicheren Überquerung des Minenteppichs der Konventionen geliefert.

          Im Zeitalter der sozialen Netzwerke sei jedoch alles viel komplizierter geworden. Wie hat sich etwa der Instagram-Nutzer zu verhalten, der auf Schloss Balmoral eingeladen ist? Sinkt das soziale Ansehen, wenn man Einladungen über Whatsapp verschickt? Sollte man im Gespräch mit dem Tischnachbarn gestehen, dass man durch die sozialen Netzwerke über alles Erzählte bereits bestens informiert ist?

          „Tatler“ springt seinen Lesern mit Ratschlägen zur Vermeidung von Fettnäpfchen zur Seite. Eine mit Emojis garnierte Nachricht statt des sogenannten „bread and butter letter“ als Dankeschön für die Bewirtung zu senden, hält das Magazin für ebenso unzulässig wie das Fotografieren von Weinetiketten zur Ermittlung des Flaschenpreises. Auch müssten Verlobungen weiterhin in der „Times“ angezeigt werden statt auf Instagram. „Tatler“ hilft allerdings nicht aus der Verlegenheit, in die Gäste aus dem Ausland oft geraten, wenn nach englischer Art die Aufforderung, etwas weiterzureichen, mit einer Frage umschrieben wird.

          Wer dies nicht weiß und die Frage einfach verneint, mag sich wundern, wenn sich die Miene des Tischnachbarn verdunkelt. An den gehobenen Tafeln gilt es als unfein, direkt zu fragen. Beim Portwein gibt es allerdings eine Umgehungsformel. Sie beginnt mit der Frage, ob man den Bischof von Norfolk kenne. Falls nein, wird man aufgeklärt, was für ein guter Kerl der Bischof sei. Allerdings vergesse er immer, den Portwein weiterzugeben. Selbst bei den Letzten fällt dann der Groschen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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