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Debatte um Zölibat : Ehelosigkeit ist Dienst am Evangelium

  • -Aktualisiert am

Was ist von der oft zu lesenden Behauptung, der Zölibat sei kein Dogma, zu halten? Bild: dpa

Geist in der Flasche: Zeiten kirchlich-kultureller Blüte waren stets auch durch Treue zum Zölibat gekennzeichnet. Eine Antwort auf Hubert Wolfs Thesen.

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          Rechtzeitig vor Beginn der umstrittenen Amazonas-Synode, die für Oktober einberufen ist, erscheint ein Artikel von Hubert Wolf über den Zölibat: „Ehe und Weihe stehen nicht gegeneinander“. Niemand, der die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche aufmerksam beobachtet, wird im Ernst glauben, dass es bei der Synode im Oktober wirklich um das Schicksal der Amazonaswälder und ihrer Bewohner – es sind nicht mehr als gerade die Hälfte der Einwohner von Mexiko-City – gehen soll. „Amazonas“ ist nur das Etikett – der „Geist in der Flasche“ heißt anders: radikaler Umbau der Kirche nach dem bekannten Programm.

          Ein Kernpunkt ist dabei der Zölibat. Wenn dieser fällt, so sagten schon die Gegner der Kirche im späteren neunzehnten Jahrhundert, dann ist auch die Kirche am Ende. In diese Strategie sind auch der Artikel und das neue Buch von Hubert Wolf einzureihen. Anstatt Wolfs einzelne Behauptungen kritisch zu würdigen, erscheint es zielführender, auf den wirklichen Sachverhalt zu verweisen. Da ist klarzustellen, dass die Zölibatsforderung an Kandidaten der höheren Weihen nicht einfach auf einem kirchlichen Gesetz beruht, das durch gesetzgeberischen Akt eines Papstes oder Konzils außer Kraft gesetzt oder abgeändert werden könnte.

          Die Apostel haben alles verlassen

          Auch die oft zu lesende Behauptung, der Zölibat sei kein Dogma, ist nicht schlüssig. In der Tat, der Zölibat ist nicht eine Lehre der Kirche. Wohl aber wird die Bereitschaft des Weihekandidaten gefordert, mit dem Priestertum sich auch die Lebensform Christi und seiner Apostel zu eigen zu machen. Ebendeshalb ist der Zölibat genuiner Inhalt der apostolischen Überlieferung. Diese ist, was die Apostel „durch mündliche Predigt, durch Beispiel und Unterweisung weitergeben, was sie aus Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch sein Wirken empfangen oder was sie unter Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten“. So lehrt es das II. Vatikanische Konzil. Dieser „Tradition“ kommt die gleiche Verbindlichkeit zu wie der Heiligen Schrift: Beide enthalten göttliche Offenbarung.

          Die ersten Jünger Jesu, die er dann Apostel (Gesandte) nannte, haben also nach Ausweis der Evangelien Haus, Hof, Frau und Kinder, Vater und Mutter verlassen, um Jesus nachzufolgen. Es wäre unverständlich anzunehmen, dass die Verfasser der Evangelien hier ein Ideal gezeichnet hätten, dem ihr eigenes tatsächliches Leben widersprochen hätte. Das „alles Verlassen“ um des Evangeliums willen ist jedenfalls die Lebensform der Jesus-Jünger des ersten Jahrhunderts. Nehmen wir noch den Apostel Paulus hinzu, der die Ehelosigkeit um des Dienstes an der „Sache Jesu“ willen hochschätzt, dann ist klar, dass die Ehelosigkeit dem Dienst am Evangelium entsprach – und entspricht.

          Im Übergang zur nachapostolischen Zeit von 70 nach Christus an entstanden zahlreiche Christengemeinden in den Städten, weshalb schon in den Briefen an Titus und Timotheus die Einsetzung von Presbytern – Ältesten – durch Handauflegung (Weihe) angeordnet wird. Vom Kandidaten wird nun unter anderem gefordert, er dürfe „nur einmal verheiratet“ gewesen sein, womit ein in zweiter Ehe Verheirateter ausgeschlossen wird.

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