https://www.faz.net/-gqz-9dw9c

Debatte um Gomringer-Gedicht : „Avenidas“ bleibt im Kleinformat

  • Aktualisiert am

Aus „avenidas y flores y mujeres“ wird bei Barbara Köhler „Bon dia und Good Luck“ Bild: ZB

Eugen Gomringers umstrittene Verse an der Fassade der Alice Salomon Hochschule werden im Herbst mit einem Gedicht der Lyrikerin Barbara Köhler überschrieben. Ganz verschwinden soll „Avenidas“ dann aber doch nicht.

          1 Min.

          Das vielfach kritisierte Gedicht von Eugen Gomringer an der Fassade der Berliner Alice Salomon Hochschule soll nun doch nicht vollständig verschwinden. „Avenidas“ werde auf einer Edelstahl-Tafel im Sockelbereich der Fassade neu angebracht, kündigte die Hochschule auf ihrer Internet-Seite an. Auf der Fassade selbst soll dann ein Gedicht der Lyrikerin Barbara Köhler stehen, das die Debatte um die als sexistisch empfundenen Zeilen Gomringers inhaltlich aufgreift. Neben der Tafel ist ein von Gomringer geschriebener Kommentar mit einem Hinweis zentrale Beiträge der „Fassadendebatte“ geplant.

          In Barbara Köhlers Gedicht sind nach Angaben der Hochschule einzelne Buchstaben von „Avenidas“ verwoben. Sie selbst nennt ihr Werk „ein Gedicht mit Vorgeschichte“. Es endet mit der Zeile „Bon dia und Good Luck“ (Guten Tag und viel Glück). Köhler hatte zuvor den Alice Salomon-Poetikpreis erhalten. Künftig soll im Abstand von fünf Jahren das Werk eines neuen Preisträgers der Hochschule auf die Fassade kommen.

          Das Gomringer-Gedicht wiederum findet einen neuen, prominenten Platz: Es soll in Zukunft die Fassade des neuen PEN-Zentrums in Darmstadt zieren. „So ist der Plan. Doch das bedarf noch der Zustimmung des Präsidiums und des Künstlers selber“, sagte der Lyriker Heinrich Peuckmann, Präsidiumsmitglied der Schriftstellervereinigung, am Donnerstag. Peuckmann sagte der „taz“, das Gedicht von Gomringer hätte bleiben müssen. Die Begründung der Studierenden für die Neugestaltung beruhe auf einer einseitigen Interpretation des Gedichts und setze diese absolut.

          Der Beschluss des Hochschulparlaments im Januar, Gomringers Gedicht zu übermalen, hatte zu einer bundesweiten Debatte über Sexismus und Kunstfreiheit geführt. Das auf Spanisch verfasste Gedicht Gomringers stand seit 2011 an der Fassade. Studierende hatten die Verse in einem offenen Brief als frauenfeindlich kritisiert. Insbesondere ging es um den letzten Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Nach einer langen, erbitterten Diskussion soll das Gedicht nun also bei einer Fassadenrenovierung in diesem Herbst übermalt werden. Der Deutsche Kulturrat und die Schriftstellervereinigung PEN warnten in diesem Zusammenhang vor Zensur.

          Weitere Themen

          Maria Schrader gewinnt Emmy für „Unorthodox“ Video-Seite öffnen

          Sensation bei Preisverleihung : Maria Schrader gewinnt Emmy für „Unorthodox“

          Der Emmy-Award ist der wichtigste Fernsehpreis der Vereinigten Staaten. Maria Schraders Auszeichnung stellt daher eine kleine Sensation dar. Die Abräumer bei der Verleihung der amerikanischen Fernsehpreise sind die Serien „Watchmen“, „Succession“ und „Schitt's Creek“.

          Topmeldungen

          Jens Spahn in Bochum: Eine studentische Assistentin misst die Temperatur des Gesundheitsministers.

          Fieberambulanzen : Spahns Corona-Strategie für die kalte Jahreszeit

          Die Infektionszahlen steigen, zur kälteren Jahreszeit könnte sich dieser Trend noch verschärfen. Gesundheitsminister Jens Spahn will mit zentralen Anlaufstellen für Menschen mit Grippesymptomen reagieren. Er sieht Deutschland gut gewappnet im Kampf gegen das Virus.
          Wolken über den Doppeltürmen der Deutschen Bank in Frankfurt

          „Fincen-Files“ : Bankaktien geraten unter Druck

          Die Enthüllungen namens „Fincen-Files“ über fragwürdige Geschäfte mit hochriskanten Kunden verunsichern die Anleger: Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktien fällt um 6 Prozent und der von HSBC auf ein 25-Jahres-Tief.
          Wer hat hier was verstanden? Die Bayern-Prominenz verzichtet trotz guter Ratschläge auf die Maske im Stadion.

          Bundesliga und Corona : Die Macht des Bildes

          Die da oben, die da unten: Während die Bayern-Führung im Stadion auf Abstand und Maske verzichtet, verhalten sich die Fans am ersten Bundesliga-Spieltag geradezu vorbildlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.