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Digitale Lehre : Das stille Sterben der Geisteswissenschaften

  • -Aktualisiert am

Auch digitale Lehre erfordert eine gewisse Professionalität in der Ausrüstung: Daniela Kleinschmit, Dozentin für Forst- und Umweltpolitik, steht in einem sogenannten Ministudio der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und zeichnet für ihre Studenten ein Video auf. Bild: dpa

Wie können wir den Unterricht im nächsten Semester besser planen? Digitale Lehre ist kein Zauberstab, aber sie zu ignorieren ist weltfremd: Eine Replik auf Steffen Martus.

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          Auch offene Briefe haben ihre Geschichten oder auch eher ihre Geschichtchen. Steffen Martus erzählt in der F.A.Z. vom 17. Juni eine solche Geschichte von einer gutgemeinten Unterschriftenaktion der Germanistik, die dafür plädiert, Präsenzlehre an den Universitäten wieder zuzulassen, da ja auch an den Schulen wieder unterrichtet werde. Aber jetzt sei diesem Plädoyer von verschiedenen Seiten vorgeworfen worden, die digitalen Zeichen der Zeit nicht zu erkennen und ein geschöntes Bild der Lehre in den Geisteswissenschaften zu zeichnen, so Martus.

          Das ist eine schöne Geschichte mit viel Moral, an der nur die Petitesse nicht stimmt, die Petition hätte viel Kritik auf sich gezogen. Das ist, so weit zu sehen, nicht groß der Fall. Die Petition mag ein Sturm im Wasserglas sein, eine größere Kritik hat sie nicht ausgelöst, auch nicht in unseren Überlegungen zu den Möglichkeiten eines nicht nur auf räumlicher Präsenz basierenden Lernens und Lehrens in den Geisteswissenschaften. Wer diese Überlegungen auf dem Portal des Philosophischen Fakultätentages liest, bemerkt auch noch eine andere Kleinigkeit, die Martus zur Moralisierung seiner eigenen Darstellung ausgelassen hat: Unser Argument enthält gar keinen Gegensatz von analoger und digitaler Lehre oder einen von Präsenz und Absenz. Hier wiederholt Martus’ Artikel genau genommen nur unsere Argumente als seine, wie gut das eine und das andere sich ergänzen könnten, wenn man beides ernst nehmen würde, was freilich nicht genau das Anliegen der Petition ist.

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