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Debatte um DDR-Revolution : Kalkulierte Diffamierung

  • -Aktualisiert am

Mehrere hundert DDR-Bürger demonstrieren am 4. September in Leipzig. Katrin Hattenhauer, rechts mit Umhängetasche zu sehen, hält das Banner. Bild: Picture-Alliance

Detlef Pollack wirft den DDR-Oppositionellen vor, das Volk verachtet zu haben. Das ist perfide! Eine persönliche Antwort auf Pollacks Umdeutungsversuche des Herbstes 1989.

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          In seinem Beitrag moduliert der Soziologe Detlef Pollack den von ihm eingeführten Begriff einer „verachteten DDR-Bevölkerung“. Laut Autor gehöre ich als Teil der damaligen Opposition nicht zur „verachteten Bevölkerung“, sondern werde auf der Seite verortet, auf der man die DDR-Bevölkerung angeblich verachtete. Richtig ist: Wir haben den Menschen auf Leipzigs Straßen in diesem 89er Herbst nie ihren Mut und ihre Leistung abgesprochen oder sie gar verachtet, das ist etwas, was allein der Feder des Autors entspringt. Richtig ist auch: Gerade die Leipziger Oppositionsgruppen haben teilweise eng mit Ausreisewilligen zusammengearbeitet.

          Besonders in meinem Fall ist richtig: Ich bin den Menschen, die in diesem Herbst 89 auf den Straßen gegen die DDR-Diktatur demonstriert und unter anderem auch die Freilassung der Inhaftierten gefordert haben, dankbar. Damals wie heute trifft jeder Einzelne seine eigenen Entscheidungen und trägt die Konsequenzen dieser Entscheidungen. In diesem Herbst 89 haben Menschen die DDR unter anderem über die geöffnete Grenze in Ungarn verlassen, andere sind in vielen Städten auf die Straße gegangen und haben den Protest gewagt, wieder andere (ein eher kleinerer Teil) haben die politische Arbeit in der Opposition gegen die DDR-Diktatur in diesem Herbst noch verstärkt. In gewisser Weise haben all diese Menschen gemeinsam damit das Ende der DDR „in Bewegung gebracht“. Genau diesen individuellen Lebensentscheidungen kann man nicht gerecht werden, wenn man die Handelnden in „Verächter“ und „Verachtete“ einteilt.

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