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Debatte um Kulturforum : Städtebau mit einer Imbissbude als Mittelpunkt

  • -Aktualisiert am

Was von Hans Scharouns Utopie einer arkadischen Stadtlandschaft übrig blieb: Eingang zur Berliner Gemäldegalerie. Bild: dpa

Von Baulücken, Gedächtnislücken und Stadtlandschaften: In der Debatte um das Berliner Kulturforum droht die Geschichte des Ortes vergessen zu werden.

          5 Min.

          Das, was sich - entgegen der Realität der von einer sechsspurigen Autostraße durchschnittenen Ansammlung bedeutender Kulturbauten berühmter Architekten - in Berlin tapfer „Kulturforum“ nennt, ist wieder einmal Ort einer politischen Einzelentscheidung. Diesmal war es die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die am 16. Juli im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Mittelbewilligung für den Galeriebau an den Standort an der Potsdamer Straße gebunden hat.

          Diese Bindung steht im Widerspruch zum Senatskonzept, das hier eine Freifläche vorsieht. Aus dem Rennen wären damit die beiden anderen möglichen Standorte an der Tiergartenstraße und in einer Baulücke an der Sigismundstraße.

          Der Berliner Senat reagiert auf diese Machtgeste nicht etwa mit einem energischen Verweis auf seine gegensätzlichen Vorstellungen und seine Zuständigkeit für Planung, sondern schweigt. Die Übernahme des Anspruchs für die Gestaltung eines Areals von nationaler Bedeutung durch den Bund ist perfekt.

          Ein Signal für die bedrohte Einheit Berlins

          In dieses Szenario der lautlosen Aufgabe eigener Positionen passt auch die Kehrtwende der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, deren Präsident sich zunächst für die buchstäblich naheliegende Erweiterung der Neuen Nationalgalerie auf dem stiftungseigenen Grundstück an der Sigismundstraße ausgesprochen hatte, sich nun aber der Entscheidung im Haushaltsausschuss beugt.

          Die auch bei anderen Akteuren und professionellen Beobachtern der wechselnden Senatsplanungen zu registrierende Zustimmung ist so groß, weil endlich mal jemand nicht nur redet, sondern mit 200 Millionen Euro in der Hand den gordischen Knoten der seit Jahrzehnten andauernden Debatte über die Form der Weiterentwicklung des Kulturforums durchschlagen hat. Was bedeuten da schon Planungsinhalte und Zuständigkeiten, wenn endlich gebaut wird und vorher sogar ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden soll?

          Politische Einzelentscheidungen sind in der Geschichte des Kulturforums nichts Außergewöhnliches, sondern der Normalfall. Den Anfang markierte 1959 ein Beschluss des (West-)Berliner Senats mit Willy Brandt an der Spitze für den Bau der Philharmonie am Rande des Tiergartenviertels an der Grenze zum sowjetischen Sektor. Es war ein Signal für die bedrohte politische und kulturelle Einheit Berlins.

          Das ganze Ausmaß der Hilflosigkeit

          Nach dem Bau der Mauer folgte die zweite politische Standortentscheidung für den Bau der Galerie des XX. Jahrhunderts (1961), verbunden mit einem Direktauftrag an Mies van der Rohe. Die für das Kulturforum typische Form einer Stadtlandschaft mit Kulturbauten rund um die St. Matthäus-Kirche bekam dann 1964 ein Gesicht, als Ergebnis eines Bauwettbewerbs für die Staatsbibliothek, den Hans Scharoun gewann. Den räumlichen Mittelpunkt seines Entwurfs bildete eine Piazza, die den Matthäikirchplatz ersetzen sollte. Dazu gehörte auch ein „Gästehaus“ an der Potsdamer Straße.

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