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Vegetarismus und Tierethik : Fleisch bleibt mein Gemüse

  • -Aktualisiert am

Lasst Lämmer länger leben: Im vergangenen Jahr belief sich das Schlachtgewicht von Schafen in Deutschland auf mehr als viertausend Tonnen. Bild: Lucas Bäuml

Ist es normal, Tiere zu essen? Was spricht dafür, was dagegen? In der Debatte geht einiges durcheinander. Und so manche Rechtfertigung entpuppt sich bei genauer Prüfung als Scheinargument.

          5 Min.

          Die Fast-Food-Kette Burger King hat in Österreich kürzlich eine neue Werbekampa­gne gestartet. Deren Slogan: „Normal oder mit Fleisch?“ In einem auf Youtube veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Kunden einer Wiener Filiale darauf reagieren. Verkäufer: „Normal oder mit Fleisch?“ Gast: „Norma… Was?!“ Burger King fragt in dem Clip: „Was ist überhaupt noch normal?“ Normal ist, wird man hier antworten können, was sich verkauft, denn es dürfte dem Unternehmen nicht um das Wohl der Tiere oder die Gesundheit der Kunden gehen. Übrigens hieß der Star der Kampagne, der „Plant-based Whopper“, bis vor Kurzem noch „Rebel Whopper“, was ja nichts anderes bedeutet als: Achtung, Nonkonformismus. Die an den Gast gerichtete Frage hätte damals also lauten müssen: „Normal oder ohne Fleisch?“

          Kai Spanke
          Redakteur im Feuilleton.

          Nun denken Philosophen und Mediziner, Köche und Aktivisten schon lange darüber nach, ob der Konsum von Fleisch normal, nicht normal oder irgendwas dazwischen ist. Man streitet, man referiert Forschungsergebnisse, man schnaubt vor Wut und wirft sich gegenseitig ideologische Verblendung vor. Dabei sollte klar sein, dass Fleisch die Norm unserer Ernährung bildet. Der Kulturhistoriker Thomas Macho hat ein lesenswertes Buch mit dem Titel „Warum wir Tiere essen“ (Molden Verlag, 128 S., 22,– €) geschrieben, in dem er aus dem „Fleischatlas 2021“ zitiert: Der „globale Fleischverzehr“ werde bis 2029 „noch einmal um 40 Millionen Tonnen auf dann mehr als 360 Millionen Tonnen“ pro Jahr anwachsen. In den Industrieländern liege der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 68,6, in allen anderen Ländern bei 26,6 Kilogramm. Für Europa, China und Indien wird ein steigender Konsum von Schweinefleisch prognostiziert. Zur Orientierung: 2021 wurden in Deutschland mehr als 51 Millionen Schweine gewerblich geschlachtet. Während sich die Weltbevölkerung in den vergangenen fünfzig Jahren ungefähr verdoppelt hat, nahm die globale Produktion von Fleisch um mehr als das Dreifache zu.

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