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Debatte über die Präsenzlehre : Das zerstreute Seminar

  • -Aktualisiert am

Semesterbeginn an der Universität in Koblenz im Oktober 2017 Bild: Picture-Alliance

Das wahre Problem in der Debatte über die Präsenzlehre ist die Masse der Veranstaltungen und Studenten. Die Folgen der Corona-Pandemie legen diese Schwachstellen nun offen. Ein Gastbeitrag.

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          Die Debatte, die in den Feuilletons im Moment über den Status der universitären Lehre geführt wird, sollte freudig zur Kenntnis genommen werden. Denn die Ausnahmesituation der Corona-Pandemie befeuert eine Diskussion, die trotz vieler Initiativen an den meisten deutschen Universitäten lange Zeit völlig hinter den Primat der Forschung zurückgetreten war. Es geht um die Frage, welche Bedeutung die akademische Lehre für die Universität heute noch hat oder haben sollte. Freudig stimmen sollte, dass die vielen Unterzeichner der von Jürgen Lehmann und Roland Borgards initiierten Petition zur „Verteidigung der Präsenzlehre“ sich ernsthaft Gedanken über die Ansprüche an universitäre Lehre machen und dies dort dokumentieren.

          Die Literaturwissenschaftler Kai Bremer, Mark Georg-Dehrmann und Carlos Spoerhase haben jüngst das (philologische) Seminar des neunzehnten Jahrhunderts und dessen anspruchsvolle Forschungsorientierung in Erinnerung gerufen, um an den Mehrwert von Präsenzlehre zu erinnern. Steffen Martus führte in dieser Zeitung die Ergebnisse einer Studentenbefragung an der Humboldt-Universität ins Feld, in der Studenten zum Ausdruck bringen, mit den höheren Anforderungen, die die digitale Lehre mit sich bringt, insbesondere einer ständigen „Testbereitschaft“ von Sitzung zu Sitzung, nur schlecht zurechtzukommen. In sorgfältig abgedämpften Worten plädiert Martus nun dafür, eine liberale Praxis der Anforderung an Präsenz fortzuführen, da sie für Studenten die Freiheit biete, „die eigenen Energieleistungen angemessen zu moderieren“. Die Studenten verstünden ihn freilich falsch, übersetzten sie diese Worte in folgendem Sinne: „Wenn ich heute meine Energie lieber für Netflix statt im Seminar einsetze, dann ist das schon okay und Teil meiner studentischen Freiheit“.

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