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Debatte über Praena-Bluttest : Wer definiert, was lebenswertes Leben ist?

Die Frage ist doch: Wie viel Wissen können werdende Eltern ertragen? Bild: dpa

Den Bluttest, der feststellt, ob ein ungeborenes Kind Trisomie 21 hat, bezahlen wahrscheinlich bald die Kassen. Doch wie viel Wissen können werdende Eltern ertragen?

          3 Min.

          „Im tiefsten Inneren wünschen sich doch alle Eltern gesunden Nachwuchs.“ Ein so banaler Satz kann im alltäglichen Nachrichtengetöse schon mal untergehen; nur stammt dieser Satz eben nicht von irgendjemandem, sondern von Peter Dabrock, dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats. Er fiel unlängst im Zuge der Debatte um die Frage, ob der sogenannten Praena-Bluttest, mit dem sich schnell und risikolos feststellen lässt, ob das ungeborene Kind von der Chromosomenstörung Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, betroffen ist, zukünftig von den Krankenkassen bezahlt werden soll oder nicht. Dabrock, der sich gegen pränatale Selektion als gesellschaftliche Norm ausspricht, findet in diesem Fall: ja. Bislang müssen die Eltern die Kosten von etwa dreihundert Euro tragen. Wer sich das nicht leisten kann, aber trotzdem vermeintliche Gewissheit über den gesundheitlichen Zustand seines Kindes haben möchte, dem bleibt nur die risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung. Anfang nächsten Jahres soll im Bundestag über die ethisch heikle Frage debattiert werden.

          „Wieso habt ihr den Test nicht gemacht?“

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Man muss gar nicht gegen eine Kostenübernahme für den Test sein, um eine Irritation zu verspüren: dass Dabrock als Vorsitzender des Ethikrates und gewissermaßen moralische Instanz in dieser Angelegenheit bereits jetzt seinen Segen erteilt hat, kann zumindest verwundern. Die Frage, welche Botschaft bei Dabrocks Satz womöglich noch mitschwingt, muss deshalb erlaubt sein. Was zum Beispiel ist mit werdenden Müttern und Vätern, die mit der Diagnose Trisomie 21 konfrontiert werden – wünschen die sich ihr Kind plötzlich nicht mehr oder weniger stark? Und wer will sich überhaupt anmaßen, zu definieren, was ein lebenswertes Leben ist?

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