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Debatte : Adieu, Kameraden, ich bin Gutmensch

Aus den Niederlanden kommen die praktischen Rezepte des Populismus. Geert Wilders, der Mann mit dem echt blondierten Haar, ist das Idol von Stadtkewitz; so wie dieser glaubte der Berliner triumphieren zu können. Ihn lud er zu einer bizarren Wahlveranstaltung der Partei „Die Freiheit“ nach Berlin ein. Wilders war es, der den Islam - nicht den Islamismus! - mit Faschismus und Kommunismus gleichsetzte, der ein Verbot des Korans forderte, analog zum Verbot von Hitlers „Mein Kampf“.

Deutschnationale Begleitmusik

Am unteren Ende des Niveaus stehen die Blogger von „Politically Incorrect“, einer hauptsächlich islamkritischen Internetseite. Wenn sie sich schon im Titel „proisraelisch“ und „proamerikanisch“ nennen, dann bedeutet das nur: Sie klinken sich in Strategien ein, an deren Planung und Formulierung sie keinen Anteil haben. Sie sind so etwas wie eingeborene Hilfstruppen, Askaris, Fremdenlegionäre. Sie beziehen ihre Ideologie aus zweiter Hand - und setzen ihren ganzen Stolz darein. Insofern sind sie wirklich so dumpf und stumpf, wie man es von der Rechten immer behauptet hat. Der eigentliche Witz dabei ist, dass „PI“ vorgibt, eine Haltung jenseits des „Mainstreams“ einzunehmen - just in dem Augenblick, da ein ehemaliger Verteidigungsminister der Bundesrepublik beim „Center for Strategic and International Studies“ in Washington anheuert.

Die Publikationen der deutschen Rechten - allen voran die „Junge Freiheit“ - haben die Werbebanner von Stadtkewitz auf ihren Seiten im Netz gespielt; die „Junge Freiheit“ ehrte den Spitzenkandidaten mit einem ausführlichen Interview. Und auch der oppositionellen „Tea Party“, einem anderen Trend aus den Vereinigten Staaten, hechelt die Wochenzeitung hinterher. Dieter Stein, Chefredakteur der JF, veröffentlichte im März 2010 seinen Leitartikel „Für eine deutsche ,Tea Party‘“. Noch scheint man nicht genau zu wissen, ob man dazu nur die deutschnationale Begleitmusik machen will oder ob man mehr kann.

Nun ist die „Tea Party“ - mit der bemerkenswerten Ausnahme des texanischen Kongressabgeordneten Ron Paul - ein Zentrum von „Unilateralisten“, Erben von George W. Bush, die ein aggressiveres Vorgehen der amerikanischen Außenpolitik wünschen. Neokonservativ, das ist, diesseits und jenseits des Atlantiks, die eigentliche Kriegspartei. Und es sind die schärfsten Islamkritiker, die meistens auch einer Nebenbeschäftigung als Kriegsverkäufer nachgehen. Wenn es gute konservative Tradition ist, auf Wehrfähigkeit zu halten, so ist es doch vermessen, nach Art solcher Abenteurer die ganze Welt beglücken zu wollen. Abenteurer wie Daniel Pipes etwa, eine Größe der Islamkritik, der im vergangenen Jahr mal eben einen Krieg gegen Iran beginnen wollte. Oder ist es umgekehrt, und die Islamkritik ist nur der intellektuelle Arm solcher Strategen?

Glenn Beck: Hysterischen Auftritte vor der Kamera
Glenn Beck: Hysterischen Auftritte vor der Kamera : Bild: AFP

Genuin konservativ wäre es, die Vorschläge Barack Obamas zum Friedensprozess im Nahen Osten - Israel in den Grenzen von 1967 - ernster zu nehmen als die expansiven Anliegen der israelischen Siedler. Aber gerade mit deren Parteien haben sich Wilders, Stadtkewitz, die FPÖ und der belgische rechtspopulistische „Vlaams Belang“ im vergangenen Jahr höchst offiziell verbündet. Übrigens treffen sich die Rechten in diesen außenpolitischen Vorstellungen ganz mit den Linksextremen von „Konkret“, der „Jungle World“ oder den „Bahamas“. Antideutsch und überdeutsch spielen uns einen Streit vor, aber wir sehen sie Arm in Arm. Und plötzlich findet sich der genuine Konservative, der vermeintliche Militarist, in der ungewohnten Rolle des Pazifisten wieder.

Genuin konservativ zu sein würde vor allem zweierlei bedeuten: ein Gefühl für das Gewicht der Wirklichkeit zu haben; daraus folgt von selbst eine Mäßigung. Und - nicht weniger wichtig - jedenfalls die Sehnsucht nach Maßstäben, die von oben kommen, vielleicht von Gott. Aber das ist die Sache von Einzelnen, keine Partei und kein Volkstribun wird’s richten. Das war’s, Kameraden.

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