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De Coubertins Idee : Wie olympisch sind die Olympischen Spiele?

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Coubertins Bemühungen um die Verankerung des englischen Sports im französischen Schulsystem blieb der Erfolg versagt - eine Erfahrung, die umso enttäuschender für ihn war, als die Schulen sich stattdessen auf gymnastische Übungen verlegten, welche dem Turnen des preußischen Erbfeindes sehr ähnlich waren. Er versuchte daher, sein Ziel mit indirekten Mitteln zu erreichen. „Es musste ein internationales Anliegen werden, weil in Frankreich nur die Anregungen, die von außen kommen, einen dauerhaften und wirksamen Einfluss haben“, schrieb er rückblickend. „Die ausländische Konkurrenz. Dort lag die Zukunft. Es galt Kontakte zu schaffen zwischen unserer jungen französischen Leichtathletik und der in anderen Ländern, die uns auf dem Weg der Körperertüchtigung vorangegangen waren. Diese Kontakte mussten ... regelmäßig stattfinden und mit einem gewissen Prestige ausgestattet sein.“

Ein Drittel Friedensfreunde auf der Patronageliste

Worin lag Coubertins Vertrauen in die Kraft des Internationalismus begründet? Eine Antwort lautet: in der Beobachtung des regen internationalen Wettkampfbetriebs im europäischen Sport seiner Zeit. Denn das Modell der nach verbindlichen Regeln durchgeführten und beaufsichtigten Wettkampfveranstaltungen war aus England auf den Kontinent und so auch nach Frankreich exportiert worden; die English sports hatten daher per definitionem internationalen Charakter. Bei Leichtathletikwettbewerben, die im Rahmen von internationalen Gewerbeausstellungen und Weltausstellungen stattfanden, zeigte sich überdies, dass die English sports durchaus geeignet waren, sich mit dem ausgeprägten Nationalismus der jungen europäischen Nationalstaaten zu verbinden - ein Effekt, der durch Zeremonien wie Flaggenhissen und Hymnenabspielen verstärkt werden konnte.

Coubertin lebte in Paris, seine Stadtwohnung lag nur wenige Schritte vom Weltausstellungsgebäude entfernt. Zu seinen Freunden und Bekannten, die dort ein- und ausgingen, gehörten neben Geschäftsleuten auch Aktivisten der Friedensbewegung, einer weiteren internationalen Erscheinung der Zeit. Coubertin hatte Zugang zu diesen Kreisen gefunden, als er an der Vorbereitung eines internationalen Kongresses für Körpererziehung mitwirkte, der im Rahmen der Weltausstellung von 1889 stattfand. Seine Friedensfreunde, darunter mehrere spätere Nobelpreisträger, stellten schließlich etwa ein Drittel der Namen auf der Patronageliste jenes internationalen Kongresses zur Diskussion der Amateurfrage im Sport, auf dem 1894 das Comité Internationale Olympique ins Leben gerufen wurde.

Die wertvollen Verbindungen des Hochadels

Längerfristig waren es jedoch weder die Geschäftsleute noch die Friedensfreunde, die Coubertins olympische Initiative zu einer internationalen machten, sondern jene Angehörigen des europäischen Hochadels, die er in das IOC berief. Er tat das aus pragmatischen Überlegungen. Erstens waren seine Standesgenossen, anders als potentielle bürgerliche Komiteemitglieder, nicht auf das nationale Prinzip, sondern auf ihre verwandtschaftlichen Blutsbande eingeschworen, und diese überspannten die Grenzen der Nationalstaaten. Zweitens hatten sie keine Einwände gegen Coubertins Führungsrolle und die undemokratische Entscheidungsfindung im IOC. Drittens waren sie reich genug, um ihre Reisekosten zu den Olympischen Spielen und Kongressen in aller Welt selbst zu bestreiten. Und viertens verfügten sie über wertvolle Verbindungen zu den europäischen Königshäusern und Regierungen; sie konnten daher als „Botschafter“ des Komitees in ihren jeweiligen Ländern betrachtet werden.

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