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Schutz von Schülerdaten : Datenschutzinitiative für Lernsoftware ohne Google und Amazon

Schwereloses Lernen, schwieriger Datenschutz: So stellt Google seine „Apps for Education“ vor Bild: Google

Über siebzig Anbieter elektronischer Unterrichtsangebote haben sich bislang einer Initiative angeschlossen, die den besonderen Schutz sensibler Schülerdaten festlegt. Zwei der wichtigsten Firmen fehlen.

          Barack Obama will die persönlichen Daten von Schülern und Studenten besonders schützen. In einer Rede vor der für den Verbraucherschutz zuständigen Handelskommission FTC sagte der amerikanische Präsident am Montag, die bei Unterricht und Ausbildung mit digitalen Medien anfallenden Daten sollen nicht an Dritte verkauft werden können, wenn es nicht um Zwecke der Ausbildung geht.

          Obama stellte eine firmenübergreifende Selbstverpflichtung vor, in der bislang über siebzig Anbieter digitaler Lehrmittel und Unterrichtssoftware versprechen, mit den besonders sensiblen Daten vertrauenswürdig umzugehen, die bei Unterricht und Ausbildung anfallen. Solche Daten offenbaren das Lernverhalten, die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Schüler im allgemeinen und in einzelnen Fächern. Dass sich spätere Arbeitgeber dafür interessieren, glaubt man gern, aber auch, dass junge Menschen beim Eintritt ins Berufsleben ungern an einem solchen Datensatz gemessen werden. Bislang sind es die Schulen und Universitäten, die den Schutz von Schüler- und Studentendaten sicherstellen müssen. Jetzt sollen auch die Software-Anbieter in die Pflicht genommen werden. In einem ersten Schritt in die Selbstverpflichtung.

          Die vom Industrieverband Software & Information Industry Association und dem Future of Privacy Forum im Oktober ausgearbeitete Erklärung legt unter anderem fest, dass die Datensätze von Schülern nicht verkauft oder für individualisierte Werbung ausgewertet, sondern ausschließlich für genehmigte Zwecke im Rahmen von Unterricht und Ausbildung verwendet werden dürften. Die Verwendungszwecke müssen offengelegt werden und nachvollziehbar sein. Die Firmen verpflichten sich, nicht ohne Hinweis und Wahlmöglichkeit ihre Datenschutzrichtlinien zu ändern. Eltern sollen Zugang zu den über ihre Kinder gespeicherten Informationen erhalten und dort gespeicherte Fehler gegebenenfalls korrigieren lassen können.

          Die Erklärung gilt seit Anfang des Jahres. Mit Microsoft und Apple haben sich ihr zwei der großen IT-Konzerne angeschlossen. Amazon und Google indes haben sie nicht unterzeichnet. Beide Firmen bauen ihre Angebote für den Unterrichtseinsatz derzeit aus.

          Großer Druck, kleiner Schritt

          „Ich möchte jedes Unternehmen, das Technologien dieser Art anbietet, zur Teilnahme ermutigen“, sagte Obama am Montag und fügte hinzu, die Regierung werde sicherstellen, dass Eltern und Schüler erführen, welche Unternehmen sich der Erklärung nicht angeschlossen hätten.

          Wie die „Washington Post“ berichtet, habe Google unlängst erklärt, keine Daten aus den „Google Apps for Education“ mehr zu Werbezwecken zu nutzen. Das Unternehmen war wegen dieser Praxis stark kritisiert worden. Zu der von Obama beworbenen Initiative wollte Google keine Stellung nehmen. Auch Amazon hatte nicht auf die Bitte der „Washington Post“ um einen Kommentar geantwortet. Dabei stehen sich der Zeitungsverlag und der Online-Händler doch eigentlich nahe, seit Amazon-Gründer Jeff Bezos im August 2013 die „Washington Post“ gekauft hat.

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