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Das weibliche Gehirn : Die hormonell gesteuerte Gefühlsmaschine

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Hier finden beide Geschlechter reichlich Munition, um übereinander die alten Witze zu reißen: Louann Brizendine will uns in einem Buch, das in Amerika zum Beststeller wurde, endlich erklären, warum Frauen anders sind als Männer.

          Populäre Eva-Prinzipien scheinen derzeit wie Pilze aus dem Boden zu sprießen. Mit Eva Herman ist die amerikanische Neuropsychiaterin Louann Brizendine zwar nicht zu vergleichen, denn sie versteht sich als Feministin, und der Abbildung auf dem Buchumschlag zufolge ist sie brünett, nicht blond. Dennoch will auch Brizendine durch politisch unkorrekte Provokation Diskussionen aufmischen. Und mit grobschlächtigen Thesen wie auch der Verwendung von Beispielen aus dem eigenen Leben hat sie kein Problem.

          Ihr in der kommenden Woche bei uns erscheinendes Buch „Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer“ versteht sich als angewandte Wissenschaft: Es kommt als Lebensratgeber unter Freundinnen daher. Kleine Szenen, Beziehungsgeschichten und Verhaltensprobleme von Freundinnen und Patientinnen werden im Plauderton verhandelt. Und das Thema? Frauen - macht euch die neuesten Ergebnisse der Hirnforschung zu eigen! Das weibliche Gehirn ist einzigartig! Frauen sind mit besonderen sprachlichen, emotionalen und sozialen Kompetenzen begabt. Von der Wissenschaft nicht hinreichend gewürdigte Fähigkeiten sind „im Gehirn von Frauen fest einprogrammiert“. Frauen werden mit solchen Talenten geboren. Männer jedoch nicht.

          Die Hormone entscheiden

          Anders als man zunächst vermuten mag, sind nicht eigentlich Hirnstrukturen, sondern Hormone das zentrale Thema des Buchs. Die Autorin legt Erkenntnisse der verhaltenspsychologischen Neuroforschung zugrunde - sowie ein soziobiologisches Grundmodell: die Natur organisiert Liebe, Sex und Partnerwahl am Maßstab der erfolgreichen Weitergabe der Gene. Vor diesem doppelten Hintergrund entwickelt sie ihre These: In vielfältiger Weise entscheiden die Hormone, die das Hirn mit seinen „Schaltkreisen“ „fluten“, über die unterschiedliche Physiologie von Mann und Frau.

          „Noch heute wird die Ansicht vertreten, Frauen könnten nur dann Gleichberechtigung erlangen, wenn alle Unterschiede eingeebnet werden. Aber die biologische Realität sieht anders aus: Das ,Unisex-Gehirn' gibt es nicht.“ Der Text arrangiert Belege für die Unterschiedlichkeit der Geschlechter und eine bisher unerkannte Andersheit der weiblichen Erlebenswelt: Das männliche Gehirn ist zwar größer als das der Frauen, doch die Zahl der Nervenzellen ist gleich, die Hirnzentren für Sprache und Hören enthalten bei Frauen elf Prozent mehr Neuronen als bei Männern, der Hippocampus und die „Schaltkreise, die der Sprache und dem Beobachten von Emotionen bei anderen dienen“, sind bei Frauen größer.

          Ihre neurologische Realität gleicht dem Wetter

          Die Daten sind nur die Spitze des Eisbergs. Was für Brizendine den Hauptunterschied ausmacht, ist die hormonelle Entwicklung: „Wegen der Schwankungen, die schon im Alter von drei Monaten beginnen und sich bis in die Zeit nach den Wechseljahren fortsetzen, ist die neurologische Realität einer Frau nicht so konstant wie die eines Mannes. Bei ihm gleicht sie einem Berg, der im Laufe von Jahrtausenden von Gletschern, der Witterung und den tektonischen Bewegungen der Erde unmerklich abgetragen wird. Ihre gleicht eher dem Wetter: Sie ändert sich ständig und lässt sich nur schwer vorhersagen.“

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