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Gedenken in Babyn Jar : Holocaust mit Kugeln

Tönendes Spiegelfeld: Eine Orgel im Unterbau der Installation übersetzt die Namen von hier im Jahr 1941 von deutschen Besatzern Ermordeten in Klänge. Bild: dpa

Beim Massaker von Babyn Jar ermordeten die Nazis am 29. und 30. September 1941 34.000 Juden. Der Opfer wurde nun gedacht. Das Massengrab will die Ukraine zur Gedenkstätte der Zukunft machen.

          5 Min.

          Babyn Jar, die „Weiberschlucht“ am Stadtrand von Kiew, wo vor achtzig Jahren der größte einzelne Massenmord an Juden durch die deutschen Besatzer stattfand, ist heute ein Park des Gedenkens, wo für die sich ­entwickelnde nationale Identität der Ukraine Weichen gestellt wer­den. Bei der von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eröffneten Gedenkzeremonie, für die auf dem Gelände eine provisorische Plexiglashalle errichtet wurde, ist außer dem israelischen Staatspräsidenten Jitzchak Herzog auch der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zugegen, der davon spricht, dass die Orte nationalsozialistischer Verbrechen in der Ukraine auf der Landkarte deutscher Erinnerung leider noch kaum verzeichnet seien. Denn vor dem Holocaust in den Todesfabriken der Gaskammern gab es den Holocaust durch Kugeln, der geschätzte zwei Millionen Opfer forderte, bei Massenerschießungen wie in Odessa, Czernowitz, Lypowez, Mizocz, Ku­rjukiwka und vielen anderen Orten.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Steinmeier erinnerte an die industriell or­ganisierte Tötung von beinahe 34.000 Menschen in den zwei letzten Septembertagen 1941 in Babyn Jar, wobei die ungefähr zweitausend Täter mit warmen Mahl­zeiten, Getränken und Schnaps versorgt wurden. Umso dankbarer sei er für das gemeinsame Fundament von Völkerrecht, Menschenwürde, politischer Selbst­­­bestimmung und territorialer In­tegrität, das Deutschland und die Ukraine heute verbinde.

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