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Das Lebensende der Zukunft : So könnte es auch kommen

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In Zukunft werden sich die Bedingungen unseres Ablebens ändern: Kommt die entscheidende Reform des Paragraphen zur „Tötung auf Verlangen“? Bild: Bildkombo, DPA, F.A.Z.

„Selbstbestimmtes Sterben“ und „mutmaßlicher Patientenwille“ sind relativ neu. Wie stirbt man im Jahr 2030? Ein Szenario für den schlimmsten Fall.

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          Heute wird in Deutschland anders gestorben als vor knapp zwanzig Jahren. Das betrifft vor allem die letzte Phase in Alters- und Pflegeheimen. Damals, 1994, hat der Bundesgerichtshof erstmals die Möglichkeit eröffnet, Patienten, die auf künstliche Ernährung angewiesen sind, ohne die überlebensnotwendige Zufuhr von Kalorien und Nährstoffen gezielt sterben zu lassen, „wenn es ihrem mutmaßlichen Willen entspricht“.

          Seitdem hat die Patientenverfügung an Bedeutung gewonnen; immer mehr Menschen entscheiden sich, Vorsorgebevollmächtigte für Entscheidungen über medizinische Behandlungen in Extremsituationen einzusetzen, und der Gesetzgeber hat durch entsprechende Regelungen im Betreuungsgesetz die Möglichkeit geschaffen, dass sich Arzt und Betreuer oder Bevollmächtigte, ohne dass ein Gericht diese Entscheidung kontrollieren muss, darauf einigen, medizinisch mögliche Behandlungen nicht mehr zu ergreifen und den Patienten sterben zu lassen, wenn das dem mutmaßlichen Willen des behandlungsbedürftigen Menschen entspricht.

          Mehr als nur reine Fiktion

          Wie der Alltag des Sterbens tatsächlich aussieht, wie oft Entscheidungen der hier skizzierten Art getroffen werden, ob das immer im Sinne des Gesetzes geschieht, weiß niemand. Nach den grundlegenden Änderungen des Rechts wurden die neuen Verhältnisse bislang noch nicht sorgfältig evaluiert. Die Bemühungen, den Lebensschutz zugunsten eines im Kern formal orientierten Selbstbestimmungsrechtes zu verringern, lassen aber nicht nach.

          Wie könnte sich die Lage in weiteren zwanzig Jahren darstellen, insbesondere, wenn dann die Zahl schwerkranker und erheblich pflegebedürftiger Menschen zugenommen hat und die Pflege und medizinische Versorgung gleichzeitig, auch wegen verbesserter Möglichkeiten, immer teurer geworden sein wird? Die folgenden Szenarien und Geschichten sind, ebenso wie die Namen der Akteure erfunden, aber keineswegs nur Fiktion.

          Folgen einer schlechten Prognose

          Reto Haag möchte seine Patientenverfügung ändern. Die Mail ist schon versendet, eine Bestätigung aber noch nicht zurückgekommen. In der Krankenkasse ist die Sachbearbeiterin für persönliche Angaben auf der elektronischen Gesundheitskarte telefonisch nicht zu erreichen. Vergangenen Monat hatte das Schreiben der Krankenkasse Haag erreicht: Ein neuer Biomarker ermöglicht es, Risikogruppen für eine besonders aggressive Form eines bösartigen Hirntumors zu identifizieren.

          Die Kasse erklärte sich bereit, die Untersuchungen zu bezahlen, und eröffnete auch die Möglichkeit, für den Fall einer schlechten Prognose unkompliziert eine bestehende Patientenverfügung zu aktualisieren: „Sollten Sie für diesen Fall eine Behandlungsbegrenzung wünschen, können Sie mit E-Mail über unsere gesicherte Leitung einen entsprechenden Eintrag auf ihrer elektronischen Patientenverfügung vornehmen lassen. Entsprechende Textvorschläge können Sie sich, selbstverständlich unverbindlich, herunterladen. Sie können auch eine eigene Formulierung verwenden.“

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