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Kolumne „Echtzeit“ : Warten auf den russischen Angriff

  • -Aktualisiert am

Die kopflose Statue des angeblich von den Nazis bestialisch ermordeten russischen Matrosen Ewgenij Nikonow im Hof des Geschichtsmuseums in Tallinn. Bild: Nikolai Klimeniouk

Nachdem Putin die Mobilisierung ausgerufen hat, startete Estland Übungen für Reservisten. Ist man in Tallinn, merkt man sofort: Es ist mehr als nur Solidarität mit der Ukraine, es ist Verbundenheit.

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          Die estnische Hauptstadt Tallinn liegt mehr als 1500 Kilometer von den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine entfernt, aber die Front fühlt sich nah an. Kampfjets fliegen tief über den Flughafen. Militärische Fahrzeuge sind unterwegs. Nachdem Putin die Mobilisierung ausgerufen hat, startete Estland Übungen für Reservisten. Ukrainische Flaggen sind überall: an Hausfassaden, in Schaufenstern, gleich am Flugfeld an einem Mast, wo früher die EU-Fahne wehte. Man merkt sofort: Es ist mehr als nur Solidarität, es ist Verbundenheit.

          Die Grenze zwischen Estland und Russland ist 336 Kilometer lang, ihr Verlauf ist aber nicht genau festgelegt. Russland will den Friedensvertrag von Tartu nicht anerkennen, der im Jahr 1920 den Unabhängigkeitskrieg Estlands gegen Sowjetrussland beendete und mit ihm die zweihundertjährige Herrschaft Russlands über das baltische Land. Man möchte automatisch „das kleine baltische Land“ schreiben, dabei ist Estland größer als die Niederlande. Die Unabhängigkeit dauerte nicht lange. 1939 teilten Hitler und Stalin Mitteleuropa untereinander auf (diese Abmachung kennt man als den Molotow-Ribbentrop-Pakt), die Sowjetunion annektierte Estland im Jahr darauf.

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