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Hochhuth gegen die Akademie der Künste : Türenschlagen in Berlin

Das Dramatische it sein Metier: Rolf Hochhuth Bild: dapd

Ein Vorfall, verschiedene Versionen: Rolf Hochhuth hat die Akademie der Künste in Berlin verlassen. Diskussionspunkt, Streitfall, Zankapfel war das Israel-Gedicht von Günter Grass.

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          Es müssen tumultartige Szenen gewesen sein, die sich am vergangenen Samstag in der sonst so friedlichen Akademie der Künste in Berlin abgespielt haben. Die Sektion Literatur hatte den Publizisten und Nahost-Experten Michael Lüders zu einer Diskussion über das umstrittene Israel-Gedicht von Günter Grass, „Was gesagt werden muss“, geladen.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Einer aber wollte nicht mitdiskutieren: der einundachtzigjährige Dramatiker („Der Stellvertreter“, „Wessis in Weimar“) Rolf Hochhuth. „Die Türe schlagend“ sei er aus dem Sitzungssaal gestürmt, weil er „nicht neben Antisemiten sitzen“ wollte, gab Hochhuth am nächsten Tag in einem Schreiben an Berliner Zeitungsredaktionen zu Protokoll, mit dem er zugleich seinen Austritt aus der Akademie erklärte. Die Diskussion, so Hochhuth, sei „einseitig zugunsten Irans und der Palästinenser auf Kosten Israels“ verlaufen, sein Einspruch von mehreren Akademiemitgliedern niedergeschrien worden.

          „Das Maul halten“

          Andere Teilnehmer erinnern sich anders an die Veranstaltung. Klaus Staeck, der gerade in seinem Amt bestätigte Präsident der Akademie, erklärte gegenüber der F.A.Z., eine „wohltuende, sachliche Debatte“ sei von Hochhuth durch „Ausbrüche“ und Beleidigungen gestört worden: „Er schrie immer dazwischen, weil er das generell nicht wollte.“ Die Deutschen, habe der Theaterautor gebrüllt, sollten zum Thema Israel „das Maul halten“: „Das war seine Grundthese, die er immer wiederholt hat.“ Den Antisemitismusvorwurf nehme er Hochhuth „auch privat ein bisschen übel“. In einer Presseerklärung, die am Montag verbreitet wurde, verwahrt sich Staeck scharf dagegen, dass Mitglieder der Akademie von Hochhuth „ohne jeden Anlass als Antisemiten denunziert“ würden.

          Vor sieben Jahren hat sich Rolf Hochhuth noch selbst dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, ein Antisemit zu sein. Damals hatte er den rechtskräftig als Holocaustleugner verurteilten englischen Historiker David Irving in einem Interview mit der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ in Schutz genommen und die Kritik an Irving als „idiotisch“ bezeichnet. Wenig später hatte sich Hochhuth angesichts der öffentlichen Entrüstung für seine Äußerungen entschuldigt.

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