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Stern KIC 8462852 : Staubnachrichten

Verdunkelung durch Kometenreste? Die erste Vermutung zum Ursprung der Helligkeitsschwankungen von KIC 8462852 wurde nun revidiert (künstlerische Darstellung). Bild: AFP

Weltallbewohnern trauen wir zu, was wir uns längst nicht mehr zutrauen, das wusste schon Hans Blumenberg. Jetzt wurden mögliche Signale von Aliens durch ein Crowdfunding-Projekt untersucht – und erklärt.

          Unser menschlicher Drang zum „Präsentiergehabe“, das hat schon Hans Blumenberg erkannt, reicht weit über unseren Heimatplaneten hinaus. Der Grund dafür, dass wir es kaum erwarten können, uns mit vernünftigen Außerirdischen darüber auszutauschen, dass es uns gibt, ist laut Blumenberg simpel: „Wir unterstellen, dass die anderen erleichtert bis erfreut sein müssten, dies zu erfahren, weil wir uns unterstellen, es im umgekehrten Fall zu sein.“ Da kann Stephen Hawking noch so eindringlich davor warnen, in Kontakt mit den Aliens zu treten: Die Menschen hören nicht und werden nicht müde, eigene Signale zu senden und fremde Botschaften zu suchen. Die bisherige Vergeblichkeit insbesondere letzterer Tätigkeit hätte nun um ein Haar ein Ende gehabt.

          Bürgerwissenschaftler hatten die Daten des Kepler-Weltraumteleskops der Nasa nach Anzeichen fremder Planeten durchforstet. Gefunden hatten sie dabei vor vier Jahren etwas sehr Merkwürdiges: einen mehr als tausend Lichtjahre entfernten Stern mit Namen KIC 8462852, der ein eigenartig irreguläres, vollkommen untypisches Blinken an den Tag legte. Nachdem Astronomen eine Reihe natürlicher Szenarien als Ursache der ungewöhnlichen Lichtkurve ausschließen konnten, waren bald die Alien-Jäger zur Stelle: Eine Megastruktur, gebaut von Außerirdischen, könne Grund für die seltsamen Verdunkelungen sein, so die These. Widerlegt werden konnte dies indes vorerst nicht, dafür reichten die verfügbaren Daten nicht aus. Grund genug, eine beispiellose Finanzierungskampagne im Dienste der Wissenschaft zu starten.

          Die zivilisatorische Antwort auf alles

          Auf der Plattform „Kickstarter“ sammelten knapp 2000 Unterstützer mehr als 100.000 Dollar zur Finanzierung weiterer Beobachtungen des Sterns, deren Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Das Resultat ist ernüchternd: Nicht ein Bauwerk von Außerirdischen, sondern schnöder Staub scheint für die vermeintlichen Signale verantwortlich zu sein. Die Enttäuschung in der Gruppe der Sponsoren dürfte groß sein: Wie schön wäre es gewesen, wenn das neue Jahr mit der Entdeckung eines interstellaren Gesprächspartners begonnen hätte! Was wir Menschen uns als Alien-Botschaft vielleicht erhofft hätten, hat Blumenberg ebenfalls analysiert: „Weltallbewohnern trauen wir zu, was wir uns längst nicht mehr zutrauen: uns mores zu lehren.“

          Nichts weniger als die zivilisatorische Antwort auf alles könne man erwarten, die ultimative Überlebensstrategie des Vernünftigen, sofern eine Alien-Kultur sich als langlebig genug für interstellare Kommunikation erweist. Wünschen müsse man sich aber auch kommunikative Präzision, denn „für Rückfragen ist keine Zeit; sie kosten mehr als eine ganze Menschheitsgeschichte“. Das ist natürlich fast hoffnungslos. Wir müssen uns wohl ganz unabhängig von der aktuellen Staubenttäuschung eingestehen: Auf mögliche Bewunderung oder gar existentielle Beratung aus dem All sollten wir uns besser nicht verlassen.

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