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Baba Sheikh gestorben : Das geistliche Oberhaupt der Jesiden ist tot

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Bei der Trauerfeier und dem Begräbnis des geistlichen Oberhaupts der Jesiden, Baba Sheikh, in der irakischen Stadt Sheikhan, rund fünfzig Kilometer nördlich von Mossul, an diesem Freitag.. Bild: AFP

Das geistliche Oberhaupt der Jesiden, Baba Sheikh, ist gestorben. Er war unser „Leuchtfeuer“, sagt die Nobelpreisträgerin Nadia Murad. Einen „Friedensstifter“ nennt ihn der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller.

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          „Baba Sheihk war ein wirklicher Friedenstifter“, sagt der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller“. Ihn habe „tief beeindruckt, wie er sich mutig gegen Widerstand und jahrhundertealte Traditionen für die jesidischen Mädchen und Frauen eingesetzt hat, die durch IS-Terroristen versklavt, zwangsverheiratet und vergewaltigt wurden, damit sie wieder einen Platz in der Gemeinschaft bekommen. Die leidgeprüften Frauen bekommen so überhaupt erst eine Chance auf einen Neuanfang nach all den Gräueltaten durch den IS-Terror.“ Der Tod des geistigen Oberhaupts der Jesiden, so Müller, habe ihn sehr betroffen.

          Baba Sheikh, mit bürgerlichem Namen Khurto Hajji Ismail, ist am Donnerstag im Alter von 87 Jahren im irakischen Erbil verstorben. Welche Bedeutung er für die religiöse Gemeinschaft hatte, welche die islamistische Terrorgruppe IS zu vernichten trachtete, drückte die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad aus. Die jesidische Gemeinschaft, sagte sie, habe ein „Leuchtfeuer“ verloren. "Er verkörperte unsere Werte der Weisheit, Freundlichkeit und Toleranz. Er führte die Gemeinschaft als Vorbild und behandelte jesidische Überlebende mit Liebe und Respekt. Er wird für immer vermisst werden."

          Auch der Ministerpräsident der autonomen Region Kurdistan, Masrour Barzani, drückte seine Anteilnahme aus. Baba Sheikh habe eine wichtige Rolle für das friedliche Zusammenleben der Religionen in der Region Kurdistan gespielt. Die Kurdische Gemeinde Deutschland betrauerte den Tod von Baba Sheikh ebenfalls.

          Die Jesiden stelle eine religiöse Minderheit unter den Kurden dar. Sie leben im nördlichen Irak, viele Jesiden sind vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ geflüchtet. Die größte Exilgemeinde der Jesiden ist mit rund 150.000 Mitgliedern in Deutschland.

          Der jesidische Glaube vereint Elemente verschiedener nahöstlicher Religionen, vor allem aus dem Islam, aber auch aus dem Christentum. Jesiden glauben nicht an ein Paradies oder eine Hölle, sondern an Seelenwanderung und Wiedergeburt. Neben dem religiösen Oberhaupt, dem Baba Sheikh, gibt es auch ein weltliches Oberhaupt. Jeside ist nur, wer von jesidischen Eltern abstammt. Heiratet ein Jeside einen Andersgläubigen, gilt das als Austritt aus der Religionsgemeinschaft. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Jesiden immer wieder verfolgt, sowohl religiös als auch ethnisch - wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Kurden. Fundamentalistische Muslime betrachten sie als „ungläubig“ und „vom wahren Glauben abgefallen“. Deshalb verbergen Jesiden in ihren Heimatgebieten häufig ihre Identität. Das Verhältnis zu Christen gilt hingegen als gut.

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