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Eine Antwort auf Sebastian Nerz : Das Buzzword Nachhaltigkeit

  • -Aktualisiert am

Es gibt verschiedene Arten von Wachstum: Frisch geschlagenes Holz im Wald Bild: dpa

Im Windschatten dieses modischen Begriffs segeln ganz andere Interessen, als man auf den ersten Blick denken würde. Warum der Begriff der Nachhaltigkeit schleunigst dorthin zurückkehren sollte, wo er hergekommen ist: in den Wald.

          Nachhaltigkeit ist ein Buzzword der schönsten Sorte: klingt hübsch, freundlich und adrett. Wer kann denn schon etwas gegen Nachhaltigkeit haben? Wer will das denn, wer wagt es denn? Denkt denn niemand an die Umwelt? Nachhaltigkeit ist, so scheint es mitunter, heute fast schon Staatsdoktrin. So hat zum Beispiel die SPD-Grundwertekommission vor wenigen Jahren angeblich ernsthaft darüber nachgedacht, die sozialdemokratische Trias „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ um Nachhaltigkeit zum sozialdemokratischen Quartett zu ergänzen. Dazu ist es dann glücklicherweise doch nicht gekommen. Es werden gefühlt alle paar Wochen Nachhaltigkeitspreise verliehen, es hat sich eine regelrechte Nachhaltigkeitsberatungsindustrie entwickelt, die genau eine Sache gemeinsam hat: erwirtschaftet wird dort nichts, Berater indessen verdienen sich eine goldene Nase. Im besten Fall quasi ohne Effekt, wenn man von der Vergeudung von Steuergeldern einmal absieht, im schlimmsten Fall kommt es zu Produktions- und Arbeitsplatzverlagerungen in andere Länder, die es mit dem Umweltschutz nicht ganz so ernst nehmen. Danach werden die Güter dann eben von dort importiert. Natürlich kann man das auch unter proaktiver Entwicklungshilfepolitik verbuchen, warum auch nicht.

          Wäre „Nachhaltigkeit“ nur ein blöder Begriff, dann könnte man damit ja einigermaßen gut leben und ihn unter Folklore verbuchen. Es ist aber mehr als das. Im Windschatten der Nachhaltigkeit surfen die unterschiedlichsten Gestalten: brave Grüne, die sich ernsthaft Sorgen um die Umwelt machen, oben erwähnte Nachhaltigkeitsberater, die einfach nur einen schnellen Euro machen wollen - und eben leider auch die Neoliberalen. („Neoliberal“ sei hier in der Kampfbegriff-Bedeutung verwendet und nicht in der ursprünglichen politikwissenschaftlich-philosophischen Bedeutung. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus#Neuere_Begriffsverwendungen).

          Was also sagen uns diese Neoliberalen? Sie sagen uns: die Nachhaltigkeit erfordert es, dass wir alle den Gürtel enger schnallen. Wir lebten so, als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung, wir hätten keinen Sinn für die nachfolgenden Generationen, mit einem Wort: Wir wären die Feinde unserer Kinder und unserer Kindeskinder. Oder um es mit den Worten Helen Lovejoys („Die Simpsons“) zu sagen: „Denkt denn niemand an die Kinder?!“

          Die Vermögensuhr ist schlecht verkauft

          Was sind denn heute die Probleme in Deutschland? Ist es wirklich die mangelhafte sogenannte „Nachhaltigkeit“? Oder ist es nicht doch eher die Tatsache, dass Deutschland ein enorm reiches Land ist, das Geld aber extrem ungerecht verteilt ist? Einige Fakten: Es stimmt, dass die Schulden der öffentlichen Haushalte insgesamt ungefähr zwei Billionen Euro, das sind zweitausend Milliarden, betragen. Das ist zuerst einmal eine ganze Menge Holz, das bestreitet sicherlich niemand. Nur: Was sagt denn diese große Zahl wirklich aus? Muss man Schulden nicht vielleicht doch eher im Verhältnis zum Vermögen der Bürgerinnen und Bürger sehen, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands? Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands liegt jedenfalls bei gut 2,6 Billionen Euro, neue Schulden kann Deutschland derzeit zu historisch niedrigen Zinsen aufnehmen (das kann sich schnell wieder ändern, wenn die „Krise“ überwunden ist). Das heißt nicht, dass man unbegrenzt neue Schulden machen soll oder kann, da ist übrigens mittlerweile auch das Grundgesetz via Schuldenbremse vor. Die Schuldenuhr des sogenannten „Bunds der Steuerzahler“ ist allen wohlbekannt, weniger bekannt ist die Vermögensuhr (die leider von den Gewerkschaften extrem schlecht beworben wird - Marketing können die Neoliberalen eindeutig besser).

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