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Kleptokratie im Kreml : Putin-Verstehen für Fortgeschrittene

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Man hätte sich vielleicht etwas mehr Einbindung in den internationalen Kontext gewünscht. Beispielsweise, dass die Nato-Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg von März 1999 an unter Umgehung des UN-Sicherheitsrates die Bereitschaft der russischen Bevölkerung erhöhte, einen zynischen Umgang mit Gesetzlichkeit und Völkerrecht zu akzeptieren. Oder dass die Fälschung und Manipulation der Wahl Putins zum Präsidenten im ersten Wahldurchgang im März 2000 nachträglich gewissermaßen legitimiert wurde durch den Diebstahl der Wahl Al Gores in Florida durch George W. Bush im selben Jahr. Russland lässt sich nicht isoliert verstehen, jeder Verrat an westlichen Werten durch den Westen verursacht Kollateralschäden im Osten.

Außerdem könnte man versuchen, ein möglichst positives historisch-moralisches Urteil über das Putin-Regime zu formulieren. Man müsste dazu in großen Bögen denken. Russland drohte Ende der neunziger Jahre in einen Bürgerkrieg zu schlittern, vor allem wegen der fehlenden Legitimität von Präsident Jelzin nach der Finanzkrise 1998 und seines alkoholbedingten körperlichen Verfalls. Nichts aber ist schrecklicher als der Verlust des Machtzentrums in einem Land, das von der Sowjetunion Zentralismus und obendrein Atomwaffen geerbt hat. Es drohte eine Apokalypse. Und es gab nur ein Ziel: das Zentrum zu halten. Putin hat das geschafft, das heiligt seine Mittel. Außerdem war die Korruption nicht total. Die Bevölkerung bekam ein paar Brotkrumen ab, beim hohen Ölpreis genügte das, um eine Mittelschicht entstehen zu lassen. Selbst die Autobahn nach Sotschi wurde termingerecht vor den Olympischen Winterspielen fertig, auch wenn so viel abgezweigt wurde, dass man sie mit Louis-Vuitton-Taschen hätte pflastern können.

Die Deutschen im Tributsystem

Außerdem wäre Hochmut im Westen unangebracht, zumal in Deutschland. Denn wie kein anderes Land ist Deutschland in den Bau der Putinschen Pyramide involviert, über KGB-Stasi-Verbindungen, durch Bevorzugung bei der Vergabe russischer Lizenzen an deutsche Banken, durch ein Scheingeschäft mit Siemens-Medizintechnik, das in Wahrheit den Bau des „Putin-Palastes“ am Schwarzen Meer finanzierte. Einzelne Deutsche sind fest eingebunden ins Tributsystem, von Freunden aus Putins Dresdner Zeit wie dem Stasi-Spion Matthias Warnig bis hin zu Altkanzler Schröder, heute beide bei Nord Stream. Man kann nur ahnen, welche Geheimnisse in den Archiven der deutschen Geheimdienste schlummern.

Bis diese öffentlich werden, haben wir Dawishas „Putin’s Kleptocracy“. Aber warum nicht auf Deutsch? Dawisha erklärt in einer E-Mail: „Simon & Schuster hat sich geweigert, die Übersetzungsrechte an ausländische Verlage zu vergeben.“ Deutsche Verlage hätten Interesse, aber Simon&Schuster wolle nicht „das Risiko auf sich nehmen, das Buch auf Märkten zu fördern, wo es weniger Schutz vor Verleumdungstourismus gibt, als durch den ersten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung über Meinungsfreiheit garantiert ist“. Das heißt: Putin und seine Clique haben so viel Geld zusammengestohlen, dass die mächtige CBS Corporation zurückschreckt, ein Buch global zu verbreiten, das die Einzelheiten dieses Diebstahls aufdeckt.

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