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Berliner Stadtschloss : Hurra, hurra, wir bauen uns ein Schloss

Der Berliner Dom, im Vordergrund der Palast der Republik, aufgenommen Anfang der neunziger Jahre. Bild: Eastblockworld

Über keinen anderen Symbolort wurde nach 1989 so heftig gestritten wie über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Wofür steht es, welches Bild vermitteln wir damit der Welt? Und was erwartet uns hier in Zukunft?

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          Schloss ist nicht gleich Schloss. Wenn man im Internet „Schloss“ und „Berlin“ eingibt, dann erscheint eine Website, auf der vier reizende junge Menschen zu sehen sind – Laura, René, Hasan und Marie. „Dürfen wir vorstellen: Unsere Schloss-Botschafter“, steht dort, und im Folgenden wird erzählt, was das Schloss für sie ist: der Ort, an dem sie am liebsten ihre Zeit verbringen, ein Ort der Identifikation. Donnerwetter, denkt man: Hatten diejenigen, die nach 1989 dafür plädierten, den Palast der Republik abzureißen und stattdessen das Hohenzollernschloss wiederaufzubauen, doch recht – würde das Schloss nicht bloß, wie die Kritiker meinten, ein Treffpunkt für hartgesottene ältere Preußen-Fans, DDR-Hasser und chinesische Touristen werden, sondern auch, wie es etwa die Grünen-Politikerin Antje Vollmer gern ohne jede empirische Grundlage behauptete, ein Ort, an dem „sich vor allem junge Berliner treffen“ würden, die Kunst- und Musikszene der Stadt?

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          „Als Schloss-Botschafterin interessiert sich Laura vor allem für gutes Essen und Mode“, heißt es auf der Website; Schloss-Botschafter René, so ist dort zu lesen, ist Kampfsportler und interessiert sich im Schloss für den Media Markt. Nicht für die Kuppel, für die Passage, das Humboldt-Forum? Irgendwann merkt man dann, dass das Schloss, für das die jungen „Botschafter“ so energisch werben, bloß eine „Das Schloss“ getaufte, sehr populäre Shoppingmall im alten Westen, in der Steglitzer Schlossstraße ist und nicht das, was man auf dem Berliner Schlossplatz aufgebaut hat.

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