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Dänische Performancekünstlerin : Mit Rechten geredet

  • -Aktualisiert am

Die dänische Performancekünstlerin und Schriftstellerin Madame Nielsen Bild: Sofie Amalie Klougart

Die dänische Performancekünstlerin Madame Nielsen sucht die eigentümlich germanische Seele – und trifft dabei auf ein junges Paar von der Identitären Bewegung und den Parteiphilosophen der AfD.

          11 Min.

          „Madame Nielsen“ stand auf dem Roman, der unter dem Titel „Der endlose Sommer“ im Frühjahr im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschien. Es war ein Roman, mit dem in Deutschland die Entdeckung einer Autorin beginnen konnte, die als Performance-Künstlerin, Theaterregisseurin und Schriftstellerin in Skandinavien längst berühmt ist: Madame Nielsen wurde 1963 im dänischen Jütland als Claus Beck-Nielsen geboren. Er ging in den neunziger Jahren nach New York und wurde Mitglied der Performance-Gruppe „The Wooster Group“. Ab 2000 lebte er als Claus Nielsen ohne Papiere auf der Straße. 2001 erklärte er Claus Nielsen für tot und gründete das „Beckwerk“, eine Firma, mit der er die Idee der Demokratie in den Nahen Osten importierte. Er reiste durch die Wüste von Kuweit in den Irak, baute dort in den Städten ein Zelt als nomadisches Parlament auf, in das er zu sich zum Tee lud. Jahre danach erfolgte die Verwandlung in eine Frau durch lange, vollendet elegante Kleider: Madame Nielsen. Unter diesem Namen veröffentlicht sie als Schriftstellerin seit 2013 Romane. Und sie begab sich vor einem Jahr auf eine Reise durch Europa, um für ein Theaterprojekt das eigentümlich „Deutsche“, „Dänische“, „Schwedische“, „Katalanische“ und „Serbische“ oder das, was dafür gehalten wird, zu ergründen. Ihre Reise durch Deutschland hat sie in einem Text dokumentiert, den wir hier veröffentlichen. In ihm trifft Madame Nielsen mit ihrer Identitätstransgression und ihrem spielerischen Umgang mit Geschlechterrollen auf Marc Jongen von der AfD und auf zwei „Identitäre“. Ab dem 16. November widmet das Literaturhaus Berlin dem Gesamtwerk von Madame Nielsen eine Ausstellung.

          An einem grauen Wintertag bin ich mit Dr. Marc Jongen verabredet, dem Philosophen und Geistesmenschen der Alternative für Deutschland, Schüler des philosophischen Helden meiner Jugend Peter Sloterdijk und frisch gewähltes Mitglied des Bundestags. Als Treffpunkt hat Dr. Jongen das Café „Alpenstück“ in Berlin-Mitte vorgeschlagen, „dort ist es ruhig“, schreibt er, „und man kann auch ganz gut schwäbisch-bayerisch mittagessen“.

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