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Cruise als Graf von Stauffenberg : Die unmögliche Mission

  • -Aktualisiert am

Bild: David E. Smith

Darf Tom Cruise, der Sektierer und bedingungslose Gefolgsmann einer dubiosen Geheimorganisation, den deutschen Widerstandshelden Claus Graf Schenk von Stauffenberg spielen? Cruise sei nicht das Problem, meint Frank Schirrmacher.

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          Wie kann man auf so etwas hereinfallen? Wie kann ein so brillanter, charmanter, umschwärmter, selbstbewusster Mann sich dieser Sekte ergeben? Er macht ja alles mit, redet wie sie, urteilt wie sie, nimmt an ihren Treffen teil und „schwört“, dass das ihm zuteilgewordene geheime „Wissen“ ihn bestimme. Es ist eine schwer erklärliche Liebes- und Abhängigkeitsgeschichte, unaufhellbar am Ende, die man nun aber doch, angesichts der Debatte um die Unwürdigkeit eines Stauffenberg-Darstellers und seiner Verteidiger, ein wenig ans Licht heben muss.

          In der Tat: Wie kann man so etwas glauben? Eine Organisation, deren Statuten kein Mensch kennt, deren Mitglieder sich verbergen und die nach Jahren des stillen Wirkens ausdrücklich weltliche Herrschaft beansprucht, sich im Inneren längst als Alternativstaat begreift und sich sogar so nennt. Und er? Er glaubt daran. Er glaubt an diese unauflösbare Mischung aus Lebensphilosophie, Kirche und Wissenschaft, an diese sakrale Tyrannei, die nicht nur himmlische, sondern (wörtlich) „irdische Herrschaft“ will und stets mit der offenbar sehr konsequenten Unterwerfung und Umprogrammierung ihrer Mitglieder beginnt - so sehr, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr wiedererkennen und mit umfangreichen Aktionen beruhigt werden müssen.

          Botschaft für Außenstehende kaum zu verstehen

          Er glaubt an diesen Religionsstifter, ein Literat - er glaubt an einen Mann, der jahrelang nur als Modeschriftsteller in Erscheinung trat, und zwar keiner, der aus dem tiefen Brunnen der Vergangenheit entstiegen wäre, sondern ein Mann des zwanzigsten Jahrhunderts, einer, der mit Eisenbahn und Autos fährt, Zentralheizung und Telefone bedient und dessen Himmel schon von Flugzeugen durchkreuzt wird. Dessen Botschaft ist - allen Infiltrationsversuchen zum Trotz - für Außenstehende allerdings kaum zu verstehen, und das Kritische, das wir wissen, stammt ausnahmslos von Aussteigern. Sie berichten von Unterwerfung und Abhängigkeit, einer fast totalitären Metaphysik der Sitten, einer „Herrschaft um der Herrschaft willen“; von einigen weiß man unzweifelhaft, dass sie sich noch Jahrzehnte nach dem Ausstieg verfolgt fühlten, manche bis in die Stunde ihres Todes.

          Am Ehrgeiz, Kirche sein zu wollen, ist nicht zu zweifeln, am Ehrgeiz, Wissenschaft zu sein, aber auch nicht. Einer, der den hermetischen Teil des literarischen Werkes besonders gut kennt, hat gezeigt, wie oft es sich liturgischer Formen bedient, mit den Begriffen „des Advents und der Responsorien, der Initiation und der Totenmesse, der Wallfahrt, der Gebete, des Sakraments und der Ekstase“ spielt, um so den kirchlichen Charakter zu beweisen. Auf der anderen Seite greift dieser Staat im Staate nach der Wissenschaft, beeinflusst und macht Karrieren vor allem in den Geisteswissenschaften, vertritt aber, durch den Mund einiger seiner frühen Mitglieder, auch die absurdesten telekinetischen und biologischen Ideen.

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