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Corona-Politik in Moskau : Das Virus des Westens

Patriotische Feierlaune: Ein Grenzsoldat macht vorm Eingang zum Gorki-Park Spagat, wo auch Teilnehmer eines Stretching-Kurses üben. Bild: dpa

Russland in Siegesstimmung: Moskau verordnet sich neue Quarantäneregeln. Einige sind freilich so absurd, dass sie auf Youtube parodiert werden. Und Polizisten fühlen sich ohnehin nicht an sie gebunden.

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          Russland feiert seinen Sieg über das Coronavirus. Zwar sind die Zahlen der täglichen Neuerkrankungen offiziell weiter hoch vierstellig, doch in Moskau, wo sie unter zweitausend gesunken sind, wurden Parks und einige Geschäfte wieder geöffnet. Das Staatsfernsehen stilisiere die Pandemie zur feindlichen Macht, die niedergerungen worden sei, sagt der Schriftsteller Viktor Jerofejew am Telefon. Dabei würden die Kommentatoren immer wieder betonen, dass das Virus aus dem Westen gekommen sei, aus Italien, Spanien, Deutschland, Amerika; sein Ursprung in China bleibe unerwähnt. Als Einstimmung auf die verschobene Militärparade anlässlich des fünfundsiebzigsten Jahrestages des Sieges im Zweiten Weltkrieg würden Russlands medizinisches System und seine Vorsichtsregeln gepriesen, die den Gegner überwunden hätten.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Straßen sind schon wieder so verstopft wie vor der Pandemie, und die neuen Regeln, wonach die Moskauer je nach ihrer Hausnummer an drei Tagen pro Wochen spazieren gehen dürfen, werden fröhlich ignoriert. Doch wer nach monatelanger Isolation wieder unterwegs ist, merkt, dass sich das Land verändert hat. Vorige Woche, als der Tag des Grenzsoldaten begangen worden sei, seien Militärfahrzeuge über den Moskauer Gartenring gefahren, sagt die Schriftstellerin Alissa Ganijewa, sie habe zuerst gedacht, die Parade werde geprobt. Doch die Panzerwagen hätten angehalten, sich von Passanten mit Kindern bewundern lassen, und niemand habe Abstandsregeln beachtet.

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