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Was wird aus Berlin-Tegel? : Nur nicht mehr fliegen ist noch schöner

Nicht hübsch, aber zentral gelegen und inzwischen sogar denkmalgeschützt: der Berliner Flughafen Tegel Bild: AFP

Ein Ort für Freiheit und Toleranz: Wenn der Berliner Flughafen Tegel demnächst schließt, soll auf dem riesigen Gelände eine Stadt in der Stadt entstehen.

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          Als Philipp Bouteiller vor einigen Jahren seine Pläne für die zukünftige Nutzung des Flughafengeländes in Berlin-Tegel konkretisierte, als er von autonomem Verkehr sprach, von einer Stadt aus Holz, dem Mobilitätsvorteil von Seilbahnen und ausgeklügelten Energiekonzepten, erklärten ihn nicht wenige für verrückt. Als wäre Bouteiller einer, der sich in einem Hightech-Elfenbeinturm verschanzt und von dort aus an den Menschen und ihren Bedürfnissen konsequent vorbeiplane. Ein Planer, mit dem die Phantasie durchgegangen ist. Wollte er ein als Smart City getarntes Raumschiff in Berlin landen lassen? Heute lächelt Bouteiller über dieses „gewaltige Donnerwetter“ von einst. Vieles damals Geplante ist längst Mainstream. Bouteiller sagt: „Ich liebe Technik, aber die Frage für mich ist immer: Wozu setzen wir Technik ein, was ist der Mehrwert für den Menschen?“

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Spielfläche des Chefs der Tegel Projekt GmbH ist, daran ändert auch die Corona-Pandemie erst einmal nichts, gigantische 460 Hektar groß, eine Stadt in der Stadt und eine Chance für Berlin, etwas hochzuziehen, was sich nicht wie der Flughafen Berlin Brandenburg International (BER) als Katastrophe in Endlosschleife entpuppt. Obwohl Bouteiller mit dem BER-Versagen nichts am Hut hat, war auch er in den vergangenen acht Jahren eine beliebte Zielscheibe für Witze. Nicht ganz unverständlich: Gewinnt ein im Unsicherheitsmodus operierendes Team jedes Jahr ein neues Planungsjahr hinzu, weil ein anderes Team planungsunfähig ist, kann man sich durchaus fragen, was in der vielen gewonnenen Zeit eigentlich passiert. Leerlauf? Größenwahn? Langeweile? Bouteiller sagt: „Wir konnten durch den Zeitgewinn vieles noch mal überdenken und nachbessern, das war eine riesige Chance für uns.“ Ein bisschen also wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem der in einer Zeitschleife gefangene Phil Connors ein und denselben Tag wieder und wieder erlebt und in dem, was er tut (etwa: Eisskulpturen fräsen) kontinuierlich besser wird.

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