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Corona-Proteste : Die Neue Rechte sucht nach ihrer Rolle

  • -Aktualisiert am

Berlin, 29. August: Ein Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung schwenkt die Reichsflagge. Bild: AFP

Zuerst dachte die Neue Rechte, es sei leicht, durch die Corona-Krise in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Das war ein Trugschluss. Jetzt scheinen ihre Protagonisten bereit, sich mit bislang verachteten rechtsextremen Gruppen gemein zu machen.

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          Schon am Vorabend der großen Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen der Bundesregierung am 28. August sammelten sich Akteure rechtsextremer Gruppierungen in Berlin. Auch Martin Sellner, der österreichische Sprecher der Identitären Bewegung, hatte seinen ersten Auftritt. Seine Teilnahme war ein stillschweigender Widerruf der Überlegungen, die er zu Beginn der Covid-19-Krise publiziert hatte. Sie ist ein Zeichen dafür, dass innerhalb der Neuen Rechten ein neuer Selbstfindungsprozess begonnen hat.

          Insgesamt darf man sich die Rechtsextremen nicht als homogene Gruppe vorstellen, vielmehr bestehen zwischen Reichsbürgern, Neonazis, esoterischen Verschwörungstheoretikern und anderen Vergemeinschaftungen manifeste Konkurrenzen um Deutungshoheit und mediale Aufmerksamkeit. Eine dieser Parteiungen ist die intellektuell auftretende Neue Rechte, die sich selbst in die erfundene Tradition der konservativen Revolution stellt. Als organisatorischer Mittelpunkt dient Götz Kubitscheks „Institut für Staatspolitik“ mit dem Antaios-Verlag. Dort erscheint die Zeitschrift „Sezession“ samt einem zugehörigen Blog. Die Zeitschrift versucht, antidemokratisches, ethnozentrisches und globalisierungskritisches Denken auf eine Weise zu präsentieren, die bürgerliche und gebildete Milieus anspricht. Dieser intellektuelle Anstrich müsste eigentlich taktischer Grund genug sein, zu den kruden Verschwörungstheorien, die auf den Corona-Demonstrationen laut werden, Distanz zu wahren.

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