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Virologe Christian Drosten in der Charité Bild: Reuters

Corona-Prognosen : Irren ist wissenschaftlich

Auch Christian Drosten hat sich in seinem herausragenden Podcast schon mal vertan. Wer forscht, kann irren – und in diesen besonderen Zeiten muss die Wissenschaft die eigene Unsicherheit unbedingt mitkommunizieren.

          3 Min.

          Am 26. Februar fand im Radioprogramm des NDR das erste jener Gespräche mit dem Berliner Virologen Christian Drosten statt, von denen bis heute zweiunddreißig Folgen gesendet wurden. Seit kurzem finden sie nur noch dreimal pro Woche statt, denn wer etwas sagen will, muss auch die Zeit zum Lesen haben; von allen anderen Terminen Drostens einmal abgesehen. Die Sendungen sind inzwischen zu einem Maßstab für Wissenschaftskommunikation geworden. Wodurch?

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Es liegt zum einen am Wissenschaftler. Drosten ist seit beinahe zwanzig Jahren mit Viruskrankheiten und seit 2003 mit Coronaviren befasst. Er forscht selbst, und zwar nicht im weitesten Sinne, sondern genau zu Fragen, um die es derzeit geht. Entsprechend kennt er immens viel, was auf seinem Gebiet publiziert wird. Das macht ihn auch urteilsfähig, wenn ihm Studien unterkommen, die er für nicht gut gemacht hält, oder Zahlen und Behauptungen ihm völlig unplausibel erscheinen. Der britische Medizinsoziologe Phil Strong hat einmal notiert, dass sich in Epidemien oft nicht nur Viren unkontrolliert verbreiten, sondern auch moralisch aufgeladene Meinungen. Die Aufgabe der Wissenschaftskommunikation ist insofern eine doppelte: Beschreibung der Erkenntnisse und Bekämpfung der Vorurteile.

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