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Kriterien für die Pandemie : Was uns Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ über die Corona-Krise lehrt

In Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ geht es um eine Diktatur, die die Gesundheit um der Gesundheit willen als Staatsprinzip durchsetzt. Bild: dpa

Man muss begründete und unbegründete Ängste unterscheiden: Im Jahr 2009 erschien Juli Zehs Negativ-Utopie „Corpus Delicti“. Was kann uns der Roman über eine Gesundheitsdiktatur in der Pandemie-Krise lehren?

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          Gesund und sauber bleiben – kann das denn alles sein? So fragt Juli Zeh in ihrem 2009 erschienenen Roman „Corpus Delicti“, der Negativ-Utopie einer Gesundheitsdiktatur in der Mitte unseres Jahrhunderts, die in einigen Aspekten vorderhand wie eine erzählerische Folie der gegenwärtigen Corona-Politik wirken könnte. Aber abgesehen davon, dass prognostische Kurzschlüsse zwischen Literatur und Lebenswelt die Zeitdiagnose generell eher behindern als befördern, ist in diesem besonderen Fall vorweg zu sagen: Trotz mancher Anklänge des Romans an die aktuelle Situation, was die Risiken eines prinzipiell uferlosen Präventionsgedankens angeht, überwiegen in der Sache die Unterschiede.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.
          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          In der von Juli Zeh entworfenen Diktatur kann jemand gerichtlich vorgeladen werden, der sich folgender Vergehen schuldig gemacht hat: „Vernachlässigung der Meldepflichten. Schlafbericht und Ernährungsbericht wurden im laufenden Monat nicht eingereicht. Plötzlicher Einbruch im sportlichen Leistungsprofil.“ Man mag fragen: Sind wir, die Bürger der auf Bekämpfung von Covid-19 eingeschworenen Republik, nicht schon auf dem Weg in einen solchen Staat?

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