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New York in der Corona-Krise : Zwischen Utopie und Apokalypse

New Yorks beliebtester Ort, der Times Square, als Geisterkulisse Bild: dpa

Nach dem 11. September und der Finanzkrise von 2008 ist Corona bereits die dritte schwere Krise, die New York in diesem Jahrhundert trifft. Zeigt die Stadt auch diesmal genug Widerstandskraft?

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          New York, die Geisterstadt, die auf dem absteigenden Ast und sogar geradewegs auf dem Weg ins Chaos ist: Es fehlt dieser Tage nicht an drastischen Bildern zur Zukunft der Metropole. Das Coronavirus hat man einigermaßen eingedämmt, mittlerweile gelten die Sorgen eher den Rückkehrern aus vormaligen Zufluchtsstaaten wie Florida, die inzwischen Hotspots der Pandemie sind. Die Atempause vor der fast unvermeidlich scheinenden zweiten Ansteckungswelle nutzen viele Menschen, um einen möglichst entspannten Sommer zu genießen. Und doch treibt viele Bewohner die Frage um, wie ihre Stadt künftig aussehen wird, die in diesem Jahrhundert schon zum dritten Mal das Epizentrum einer großen Krise geworden ist. Nach dem 11.September 2001 und nach der Finanzkrise 2008 sagten viele New York einen beispiellosen Niedergang voraus. Doch die Stadt und ihr Immobilienmarkt erholten sich nicht nur jedes Mal. Wer Geld hatte, konnte es nicht zuletzt dank großzügiger staatlicher Rettungsprogramme auch wieder vermehren.

          Widerstandskraft sei das Markenzeichen von New York City, schwärmte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ kürzlich. Die Stadt könne auch Corona überstehen, weil sich die Lebensstile an die veränderte Situation anpassten, wie sie es nach der Finanzkrise etwa durch den Boom von sogenannten Co-Working-Spaces getan hätten. Erste Anzeichen dafür sehen Optimisten in den vielen gesperrten Straßen, die sich in Freiluftrestaurants verwandelt haben. Doch diese Krise dürfte die Stadt weit härter treffen als alle vorigen. Schließlich trauern die New Yorker bislang um 23.000 Tote, Kultur und Tourismus mussten komplett lahmgelegt werden, die Arbeitslosenquote liegt bei fast zwanzig Prozent. Der Wirtschaft geht es so schlecht wie seit den siebziger Jahren nicht mehr, als die Stadt kurz vor dem Bankrott stand. Wie damals verzeichnet New York auch jetzt eine Zunahme der Schusswaffenkriminalität. Die 65 Millionen Touristen, die jedes Jahr kommen, fehlen auf unbestimmte Zeit als Einnahmequelle, selbst die elegantesten Hotels behelfen sich mit Angeboten von siebzig Dollar pro Nacht. Und die Entwickler von Luxusimmobilien, die in den vergangenen Jahren glänzende Geschäfte machten, müssen sich jetzt eingestehen, dass das Wort „Geisterstadt“ am ehesten auf ihre Quartiere wie die Hudson Yards zutrifft.

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