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Corona in Madrid : Opernbesucher erzwingen Abbruch der Aufführung

  • Aktualisiert am

Blick in das leere Teatro Real Bild: dpa

Diskriminierung oder Unvermögen? Der lautstarke Protest des Publikums wegen zu geringer Sicherheitsabstände auf den Rängen hat zum Abbruch einer Vorstellung im Madrider Opernhaus Teatro Real geführt.

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          Madrid ist vom Coronavirus stark getroffen. Trotzdem wurden im Teatro Real am Sonntagabend kurz nach der Wiedereröffnung die Sicherheitsregeln nicht korrekt umgesetzt: Die Gäste auf den oberen, billigeren Rängen protestierten mit Buhrufen und Schreien, sie klatschten in die Hände und trampelten mit den Füßen, wie die Zeitung „El País“ und andere Medien am Montag berichteten. Die Aufführung der Oper „Un ballo in maschera“ (Ein Maskenball) von Giuseppe Verdi habe trotz des Protests begonnen, sei aber wegen der anhaltenden Empörungsbekundungen bald abgebrochen worden.

          Das Real teilte mit, der Protest „einer Minderheit“ habe den Abbruch erzwungen, obwohl man „alle geltenden Vorschriften befolgt“ habe. Lediglich 51,5 Prozent aller Plätze seien besetzt gewesen. Man werde eine Untersuchung des „bedauerlichen Zwischenfalls“ einleiten, damit er sich in Zukunft nicht wiederhole, hieß es.

          Die Zeitung „ABC“ sprach von einem „Skandal“. Videos, die von Medien und Besuchern gepostet wurden, zeigen, dass die oberen Ränge dicht gefüllt waren, während im Parkett viele Sitze unbesetzt blieben. Schriftstellerin Rosa Montero klagte auf Twitter: „Ich war da und es war eine Schande. Es gab überhaupt keine Sicherheitsabstände.“ Sie widersprach jedoch der Aussage, nur die billigeren Ränge seien betroffen gewesen. Auf den teuersten Plätzen ganz vorne sei man ebenfalls „zusammengepfercht“ gewesen. „Ich fürchte, es war eher totales Unvermögen denn Diskriminierung.“

          Eine Besucherin twitterte um 20.08 Uhr: „Der Beginn der Vorstellung „Ein Maskenball“ verzögert sich, weil die Besucher auf die Einhaltung des Sicherheitsabstands in den oberen Rängen bestehen. Im unteren Bereich wird er eingehalten.“

          Mit mehr als 640.000 Infektionen und fast 30.500 Toten ist Spanien das von der Corona-Pandemie am schlimmsten getroffene Land Westeuropas. Die größten Sorgen bereitet aber Madrid. Auf die Region um die Hauptstadt entfällt seit Wochen mehr als ein Drittel aller Neuinfektionen. Am Montag traten in Madrid Absperrungen von zahlreichen vorwiegend einkommensschwachen und von Corona besonders in Mitleidenschaft gezogenen Gebieten in Kraft. Die Abriegelungen sollen zunächst für die kommenden zwei Wochen gelten.

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