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Corona-Folgen an den Unis : War’s das mit dem Studentenleben?

Drei Covid-Semester haben an den deutschen Hochschulen Spuren und Übertragungslücken hinterlassen. Bild: Lucas Bäuml

Erst Bologna, dann Corona. Im kommenden Winter besuchen viele Drittsemester zum ersten Mal ein Präsenzseminar oder die Bibliothek. Das halbe Studium haben sie hinter sich. Welche Long-Covid-Folgen drohen an den Hochschulen?

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          Sagt ein Professor in seinem Online-Seminar: „Ich habe gute Nachrichten: nächste Woche macht die Mensa wieder auf, dann können wir uns mittags mal wieder beim Essen sehen.“ Die Antwort einer Studierenden in der Zoom-Kachel: „Äh, ich wusste gar nicht, dass an der Uni auch Essen verkauft wird.“ So berichtet es Rembert Hüser, Professor für Medienwissenschaft in Frankfurt. Pauline E., die im zweiten Semester Soziologie studiert, sagt, sie habe vor einigen Wochen einmal versucht, sich mit Kommilitonen in einer Whatsapp-Gruppe zum persönlichen Treffen zu verabreden. Das sei „komisch“ verlaufen. Gekommen seien nur zwei Studentinnen, die eine hätte nichts gesprochen, die andere wäre gleich wieder gegangen. Die übrigen Kommilitonen hat sie nie kennengelernt. In der Bibliothek war sie erst ein Mal, nur kurz, sie war leer.

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Berichte wie diese machen deutlich: In den drei Corona-Semestern wurde im akademische Leben eine Überlieferungskette zerrissen. Ein bestimmtes Wissen, Verhaltensweisen, die im Universitätsalltag über Jahrhunderte zwischen den Semestern weitergegeben wurden, sind nicht übertragen worden. Was sich umso dramatischer niederschlägt, als für Drittsemester das Bachelor-Studium eigentlich schon halb vorüber ist. Nach dem dritten Semester, so berichten ältere Studierende, überlege man sich normalerweise schon, was man nach dem Bachelor machen wolle. Die Drittsemester des Jahres 2021 stellen sich andere Fragen: Soll ich jetzt noch in die teure Stadt gehen? Verliere ich wertvolle Zeit beim Kennenlernen und dem Eintauchen ins Studentenleben? Knapp ein Drittel aller Studierenden sind nach Analyse des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) während der Corona-Krise zu Hause geblieben oder nach dort zurückgekehrt.

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