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Neid auf Geimpfte : Impfschleicher, schleicht euch!

Begehrter Stoff: Das Corona-Impftempo beschleunigt sich Bild: dpa

Nicht jeder wartet brav, bis er mit der Impfung dran ist. Manche Betrüger wenden besonders dreiste Tricks an. Ihre Kreativität kennt keine Grenzen.

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          Seit einigen Tagen jubelt der halbe Freundes- und Bekanntenkreis: „Ich habe einen Impftermin!“ Zauberhaft, denkt man, und gesteht erleichtert, selbst Glück gehabt zu haben. Doch die Freude der einen ist der Neid der anderen. Viele stehen ja seit Wochen auf den Wartelisten etlicher Hausärzte und lungern bis zur Sperrstunde vor Impfzentren herum, in der Hoffnung, ein paar tattrige Mitbürger oder Astra-Zeneca-Verweigerer könnten ihren Impftermin nicht wahrnehmen. Und dann: wieder nichts!

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Frustriert angesichts von so viel Ungerechtigkeit ist die Versuchung groß, seinen moralischen Kompass neu zu justieren. Zahllose in die Schlagzeilen geratene Corona-Müde haben vorgemacht, wie das geht. Ein reiches kanadisches Ehepaar, das weder Mühen noch Kosten scheute, mietete einen Privatjet und ließ sich nach Yukon fliegen. Dort erschlich es sich Impfdosen, die für die mehrheitlich indigene Bevölkerung vorgesehen waren. In Mexiko-Stadt wählten zwei Männer eine günstigere Variante: Sie färbten sich Haare und Augenbrauen grau, verbargen ihr Antlitz doppelt geschützt hinter Masken und Plastikvisieren, legten gefälschte Ausweise vor und wurden tatsächlich geimpft. Trotzdem flogen die Betrüger auf. Der Klang ihrer jungen Stimmen ließ bei einer Mitarbeiterin des Impfzentrums sämtliche Alarmglocken schrillen.

          Ein ähnlich kreatives Engagement vermisst man hierzulande. Kaum war der erste Impfstoff zugelassen und einsatzbereit, wurden Bürgermeister, Landräte, Polizisten und Arztgattinnen als Impfvordrängler enttarnt, hatten sie sich doch allzu dämlich angestellt. Inzwischen jedoch, da sogenannte Impfprivilegien locken, fallen offenbar sämtliche Hemmungen: Da pflegen schon mal besorgte Kinder plötzlich ihre siebenhundert Kilometer entfernt lebenden Eltern, wer soll’s schon überprüfen? Not macht erfinderisch.

          Apropos erfinderisch: Neben dem Impfschleicher hat sich im Pandemieverlauf ein weiterer fragwürdiger Typus etabliert: der vermeintliche Tierliebhaber. Hunde darf man schließlich immer Gassi führen, da gilt keine Ausgangssperre. Der Markt für Hunde jedenfalls ist ziemlich leergefegt, auch Hühner liefen in den vergangenen zwölf Monaten sehr gut, selbst wenn sie sich nicht dazu eignen, im Park spazieren geführt zu werden. Wobei, weshalb eigentlich nicht? Eine Frau, die Anfang des Jahres in der kanadischen Provinz Québec die Ausgangssperre umgehen wollte, legte ihrem Mann eine Leine an. Von der Polizei gefragt, was sie und ihr Begleiter draußen zu suchen hätten, soll sie geantwortet haben: Gassi gehen.

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