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Kritik an der Labour Party : Antisemitismus aus Selbstgerechtigkeit

Seine Partei hat ein Antisemitismus-Problem: Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn. Bild: AP

Die britische Labour-Partei trat traditionell für Benachteiligte ein. Wie konnte daraus nur eine Partei werden, vor deren Regierungsübernahme britische Juden nun ernsthaft warnen?

          In der leidvollen, nicht enden wollenden Auseinandersetzung über Antisemitismus in der Labour Party bewies deren Parteichef Jeremy Corbyn in der vergangenen Woche einmal mehr seine mangelnde Sensibilität gegenüber den durch die Erfahrungen der Geschichte verunsicherten Juden. Nachdem sich der Streit dahin gehend zugespitzt hatte, dass die drei führenden jüdischen Zeitungen Großbritanniens unter der Überschrift „Wir stehen zusammen“ einen gemeinsamen Leitartikel veröffentlichten, der eine Corbyn-Regierung als „existentielle Bedrohung des jüdischen Lebens in diesem Land“ bezeichnete, stand der Oppositionsführer unter neuerlichem Zugzwang. Die Idee, das Jüdische Museum in London als Schauplatz einer kurzfristig für den vergangenen Freitag ins Auge gefassten öffentlichen Stellungnahme zu wählen, war seitens Corbyns offensichtlich als Annäherungsversuch gemeint.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Zunächst zeigten sich die Museumsbetreiber auch offen für den Vorschlag eines „heilenden Dialogs“ in ihrem Gebäude. Die Gespräche darüber scheiterten jedoch am Widerstand von führenden jüdischen Gemeindevertretern, die bestritten, dass sie vorher von Labour eingeladen worden seien. Wie auch immer diese Verhandlungen gelaufen sein mögen, erscheint es kaum fassbar, dass sich Corbyn, der sich seit Monaten in dieser Frage windet und nach Ausflüchten sucht, vorgestellt haben könnte, ausgerechnet am Tag, an dem der Sabbat beginnt, eine Versöhnung mit der jüdischen Gemeinde zu erreichen. Statt dessen veröffentlichte der „Guardian“ dann am Samstag eine Erklärung Corbyns, in der er zwar wie dann auch am Sonntag in einem nachgeschobenen BBC-Video eingestand, dass Labour „ein echtes Problem“ habe, die Behauptung, wonach die Partei eine existentielle Bedrohung des jüdischen Lebens darstelle, jedoch als „überhitzte Rhetorik“ abtat und versprach, den Antisemitismus ein für allemal bei Labour auszumerzen.

          Jedes Wort von Corbyns Erklärung ist im Lichte seiner früheren Äußerungen und seiner Verbindungen zu Personen und Gruppen, welche die Existenzberechtigung Israels in Frage gestellt haben, sofort auf die Waagschale gelegt worden und vielerorts – auch in den eigenen, zunehmend beunruhigten Reihen – als ungenügend bewertet worden. Zumal der Labour-Chef an seiner Weigerung festhielt, vier von elf Beispielen der von der International Holocaust Remembrance Alliance verabschiedeten und von zahlreichen Ländern (einschließlich Großbritanniens und der Bundesrepublik) übernommenen Definition von Antisemitismus zu akzeptieren, insbesondere „das Absprechen des Rechts auf Selbstbestimmung des jüdischen Volkes, beispielsweise durch die Aussage, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Projekt“.

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