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Christen in Iran : Die Glaubensdiebe

  • -Aktualisiert am

Weihnachtsgebet in der Teheraner Kirche St. Grigor Bild: ASSOCIATED PRESS

Viele Iraner fühlen sich zum Christentum hingezogen. Doch für die Herrscher in Iran ist die Apostasie, der Abfall vom Islam, ein schweres Vergehen. So entwickelt sich eine Untergrundreligion für Iraner, die konvertieren wollen.

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          In der politischen Sphäre Irans herrscht nach wie vor die Gewalt. Für manche derjenigen, die um ihres Seelenfriedens willen moralischer Grundsätze bedürfen, sind christliche Lehren, die Selbstbeherrschung, Toleranz und Friedfertigkeit bekräftigen, außerordentlich ansprechend. Im islamischen Strafrecht steht auf Apostasie, das heißt Abfall vom Islam, die Todesstrafe. Insofern ist das Christentum für Muslime ein verbotenes Thema.

          Allerdings gibt es in Iran für jede verbotene Angelegenheit geheime Orte. Verbotene Bücher findet man in den Hinterzimmern der Buchhandlungen, und Satellitenschüsseln werden in abgelegenen Abstellräumen außerhalb der Stadt gelagert. Für Alkoholika kann jeder abgedeckte Bereich als Versteck dienen, seien es die Kofferräume der Autos oder die großen Kühlschränke der Restaurants. Allerdings gibt es auch hier eine Ausnahme: Prostituierte kann man tatsächlich an jeder Straßenecke finden. Nur enthüllen sie ihre wahre Identität einzig ihren Kunden. Im Zuge dieser Entwicklung haben wir mittlerweile Untergrund-Diskos, Untergrund-Musik und sogar Untergrund-Kirchen in Iran!

          Christenverfolgung

          Tatsächlich haben iranische Regimeangehörige in den vergangenen Monaten von einem Netzwerk von Untergrundkirchen berichtet. In Iran entgeht nichts dem wachsamen Auge der Obrigkeit, jede unabhängige Aktivität ist verdächtig, sogar die Anbetung Gottes.

          Heiligabend 2008 in St.-Grigor-Kirche in Teheran

          Seit Weihnachten hat es in der Islamischen Republik eine Welle der Verhaftungen von Christen gegeben. Berichten zufolge sind das Hauptziel dieser Verhaftungen evangelikale Christen, die nach Angaben der Behörden ihre Aktivitäten neuerdings verstärkt haben. Die Verantwortlichen haben betont, dass die Umtriebe dieser Evangelikalen auch in anderen Ländern des Nahen Ostens Probleme heraufbeschworen haben. In amtlichen Verlautbarungen bezeichnen sie diese als „zionistische Christen“ und als korrupte Bewegung, die von den Vereinigten Staaten und Großbritannien unterstützt werde, weswegen sie als leuchtendes Beispiel für die „kulturelle Invasion des Feindes“ gilt. Die Festgenommenen sind meist konvertierte Muslime oder Christen, die versucht haben, Muslime zur Konversion zu ermutigen.

          Keine Bibel

          Ein iranischer Pastor, der außerhalb Irans lebt, reagierte auf diese Festnahmen folgendermaßen: „Die Menschen suchen uns auf und erklären, dass sie an kirchlichen Zeremonien teilnehmen oder sich sogar taufen lassen wollen, um zum Christentum überzutreten.“ Ein anderer Pfarrer sagte: „Es ist unsere Pflicht, die Heilige Schrift allen zu verkünden.“

          Um die Menschenrechtsorganisationen zu entwaffnen, die berichten, in Iran gebe es keine Gesinnungsfreiheit, haben die staatlichen Propagandaorgane jene, die in der Stadt Hamadan im Westen Irans verhaftet wurden, als „Glaubensdiebe“ verleumdet. Iranische Christen berichten, sie hätten kein Recht auf Besitz und Mitnahme der Bibel - ein Buch, das es nirgendwo im Land zu kaufen gibt. Einige von ihnen haben nach der Freilassung ausgesagt, dass sie während ihrer Inhaftierung versprechen mussten, an keiner kirchlichen Zeremonie mehr teilzunehmen. Außerdem mussten sich manche Kirchenvorsteher verpflichten, Muslimen den Zutritt zur Kirche zu verweigern.

          Ermordete Pastoren

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