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Chinas neue Blüte : Xi Jinpings großer Traum

Ausgerufen von Staatschef Xi Jinping: Die„Große Wiederaufblühen der chinesischen Nation“. Bild: Reuters

China kündigt ein „Großes Wiederaufblühen“ und die Planung einer „gemeinsamen Zukunft“ der Menschheit an. Ein historischer Moment sei gekommen. Worauf steuert die Weltmacht zu?

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          „Manchmal“, so dozierte die „Volkszeitung“, das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas, vergangene Woche in einer sehr grundsätzlich daherkommenden Erklärung, „muss man tausend Jahre auf eine solche Gelegenheit warten.“ Die Partei feiert 2021 gerade mal ihren hundertsten Geburtstag, hier aber scheint sie sich die Zeitmaße von etwas viel, viel Älterem zu eigen zu machen. Es geht in dem Text darum, dass eben jetzt ein „historischer Moment“ gekommen sei, wie es ihn in den fünftausend Jahren der chinesischen Geschichte selten gegeben habe.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          In diesem Moment kulminiere nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, sondern auch seine Wissenschaft, Technologie und Kultur; der Respekt vor seiner Weisheit nehme weltweit zu, eine neue internationale Ordnung werde sichtbar. Deshalb gelte es jetzt, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und das von Staatschef Xi Jinping ausgerufene „Große Wiederaufblühen der chinesischen Nation“ unverzüglich zu realisieren: „Das ist unsere Aufgabe, so dass der chinesische Traum und der Traum der ganzen Welt miteinander verschmelzen.“

          Warum gerade jetzt so viel Tamtam? Steht ein Angriff auf Taiwan bevor, dessen Eingliederung die Volksrepublik seit jeher als Teil ihrer historisch abgeleiteten Staatsräson bezeichnet? Seit ein paar Wochen nimmt die Zahl chinesischer Militärübungen rings um die Insel zu. Oder geht es nur um den innenpolitischen Appell am Ende des Manifests, sich geschlossen um den großen Führer Xi zu scharen?

          So oder so ist die Rolle, die „die Geschichte“ in dieser geopolitischen Ansage spielt, ebenso auffallend wie erklärungsbedürftig – die bisherigen „fünftausend Jahre“ nicht weniger als die Zukunft, in der eine nicht näher benannte Vergangenheit „wieder“ erreicht werden soll. Während sich die chinesischen Abgesandten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos behende in der bisherigen, vom Westen installierten Weltordnung bewegen, beruft sich die Regierung nach innen hin auf ein ganz anderes Koordinatensystem und kündigt sogar an, dass darin künftig auch der Rest der Welt seinen Platz finden soll.

          Nationalismus ist nur die halbe Wahrheit

          Es stellt sich also die Frage: Wo genau befindet sich der Platz in der Welt, den das Land als ihm von seiner Vergangenheit zugedacht erachtet? Worauf steuert die Weltmacht zu? Worauf läuft die von China seit Jahren in allen außenpolitischen Dokumenten untergebrachte Formel „Gemeinschaft einer geteilten Zukunft“ hinaus? Im Westen nennt man das, was einen an Chinas Ambitionen beunruhigt, meist „Nationalismus“. Das ist zweifellos nicht verkehrt, aber wohl allenfalls die halbe Wahrheit. Für die Zeit, auf die sich das eigene Koordinatensystem des Landes bezieht, ergibt dieser Begriff noch gar keinen Sinn; die europäische Kategorie des Nationalstaats begannen Chinas Staatsdenker erst zum Ende der Kaiserzeit im späten neunzehnten Jahrhundert für sich zu entdecken.

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