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Chinas Künstler vor Olympia : Olympische neue Weltordnung

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Das neue Olympiastadion: Inbild und Zankapfel der Spiele von Peking Bild: dpa

Vor den Spielen von Peking wird die ästhetisch-intellektuelle Kollaboration mit dem Regime mit den Namen Faust und Riefenstahl gebrandmarkt. Die letzten Filme des olympischen Zeremonienmeister Zhang Yimou geben schon Hinweise auf die zu erwartende Ästhetik. Von Mark Siemons, Peking.

          5 Min.

          Wie ein Damoklesschwert hängt Olympia über der chinesischen Kultur. Vor kurzem gab der Künstler Ai Wei Wei (in Deutschland vor allem wegen seiner Documenta-Aktion berühmt, bei der er 1001 Landsleute nach Kassel brachte) gegenüber der englischen Nachrichtenagentur Reuters und der Tageszeitung „The Guardian“ folgende Erklärung ab: Er wolle mit dem ganzen Olympia-Tamtam nichts zu tun haben. „Ich kritisiere“, sagte er, „die Tendenz, die Kultur für Zwecke der Propaganda zu gebrauchen.“ Das ist insofern bemerkenswert, als Ai Wei Wei mit seinem Architekturbüro selbst am Entwurf des Olympiastadions beteiligt ist, das wegen seiner auffallenden, an ein Vogelnest gemahnenden Form zum Wahrzeichen der Spiele werden wird. Ai sagt jetzt, er habe dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron nur aus Interesse am Design seine Mitarbeit zugesagt, fühle sich nun aber beschämt, wenn am Ende bloß ein „Fake-Image“ dabei herauskomme.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es drängt sich die Frage auf, ob nicht von vornherein abzusehen war, dass die Pekinger Regierung die Spiele zur Selbstdarstellung nutzen wird. Aber offensichtlich hat der Rechtfertigungsdruck für Künstler, die daran beteiligt sind, innerhalb der chinesischen Kulturwelt erheblich zugenommen. Sogar der Regisseur Jia Zhangke, der dank seiner zugleich poetischen und schonungslos realistischen Filme (zuletzt der in Venedig ausgezeichnete „Still Life“, der gerade in den deutschen Kinos läuft) viel Kredit in der Szene hat, geriet in arge Bedrängnis, als er öffentlich begründen musste, weshalb er auf einmal als künstlerischer Leiter einer von dem Kreditkartenunternehmen Visa gesponserten Kurzfilmreihe über frühere Olympiastädte in Erscheinung tritt. Ist womöglich auch er gekauft?

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