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Rassismus in Deutschland : Mein verlorenes Paradies in Chemnitz

  • -Aktualisiert am

Chemnitz am 27 August 2018 Bild: AFP

Früher war der Garten der Großeltern für Nelly Y. Pinkrah das Größte. Er liegt in jener Stadt, in der jetzt Menschen durch die Straßen laufen und ihre Hände zum Hitlergruß erheben. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Meine Familie kommt aus Chemnitz. Es ist der Ort meiner frühesten Kindheitserinnerungen. Zahlreiche Male habe ich dort meine Großeltern besucht und bei meiner Oma das Lieblingsgericht gegessen, bin mit meinem Opa einkaufen gefahren, nachdem wir bei meiner Uroma eine Partie Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt hatten. Der Garten meiner Großeltern – eine Parzelle in einer Kleingartenanlage–, er war für mich das Größte. Pflanzen gießen, Bäume hinaufklettern, das Obst und Gemüse ernten, bis ich zehn oder elf war, als Teenager dann lieber in der Hollywoodschaukel lesen. Für ein Großstadtkind wie mich war das ein Teil vom Paradies – es ist nach wie vor mein Kindheitsparadies. Der andere Teil liegt in Ghana, dem Geburtsland meines Vaters. Und genau hier beginnt das Problem.

          Ich bin in Ost-Berlin geboren, ein Jahr vor der Wende. Nach der Wende zogen meine Eltern und ich nach Berlin-Adlershof und wohnten dort, bis ich fünf war. Dann ging es nicht mehr. Eigentlich ging es vorher schon nicht mehr. Mein Vater wurde regelmäßig mit Worten oder Fäusten oder beidem angegriffen; genau wie meine Mutter, wenn klar wurde, dass sie ein schwarzes Kind im Kinderwagen spazieren fuhr. Also zogen wir in den Westen von Berlin, viel weniger Beleidigungen gab es danach aber nicht.

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