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Casting-Debatte bei Plasberg : Der Bohlen in uns allen

„Verfällt ein Land dem Castingwahn?“, fragte sich Frank Plasberg in seiner „Hart aber fair“-Runde. Sie wurde zum Gespräch über den abwesenden Herrn B., der aber kongenial vertreten wurde. Auch dabei: ein gereifter Daniel Küblböck.

          „Das ganze Leben ist ein Quiz“, heißt es in einem Schlager längst vergangener Tage, „und wir sind nur die Kandidaten.“ 1991 hat Hape Kerkeling das gesungen, was immerhin acht Jahre vor dem deutschen Start von „Wer wird Millionär“ und somit wahrhaftig visionär war. Seitdem ist eine Fernseh-Ewigkeit vergangen, und es stimmt nur noch der zweite Teil der kerkelingschen Diagnose. Kandidaten sind wir noch immer, doch schlagen wir uns längst nicht mehr mit Quizfragen herum. Heute ist das ganze Leben eine Casting-Show.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das jedenfalls war die Ausgangsthese der gestrigen Runde bei Frank Plasberg: „Superstar statt Fleißarbeit - verfällt ein Land dem Castingwahn?“ In Show, Leben, Job, überall werde gecastet, so der „Hart aber fair“-Moderator - „und wir sind alle ein bisschen Bohlen: Daumen rauf, Daumen runter“. Zumindest im Fernsehen wird derzeit jeder gecastet, der nicht bei drei auf dem Baum ist: Soeben hat sich im ZDF Thomas Gottschalk auf die Suche nach einem „Musical-Showstar“ begeben, dem Sat.1 in „Ich Tarzan, du Jane!“ schon seit drei Wochen nachspürt. Beide Sendungen indes stoßen auf mäßige Resonanz, ganz anders als das in der fünften Staffel laufende „Deutschland sucht den Superstar“ von RTL. „Da fehlen die bösen Sprüche“, urteilte Plasberg über die jungen Konkurrenzsendungen, „und es fehlt die Quote.“

          Der einzige Superstar

          Für die bösen Sprüche aber und damit fast ausschließlich für „DSDS“ interessierte sich Plasbergs Runde, die so ein ausführliches Gespräch über den abwesenden Herrn B. führte. Anwesend waren zwei, die Bohlen gut kennen: der Musikmanager Thomas M. Stein, Juror in den ersten beiden „DSDS“-Staffeln, sowie der einzige - jedenfalls zeitweilige - Superstar, den diese Sendung je hervorgebracht hat: Daniel Küblböck. Gut sieht er heute aus, weit besser jedenfalls als früher: Sakko und locker gebundene Krawatte, kürzere Haare, ohne Brille - und dass er sich einst unter Anteilnahme der Fachmedien die Ohren anlegen ließ, wurde uns bei Plasberg noch einmal in Erinnerung gerufen. Wie auch andere Schlagzeilen aus der schillernden Karriere Küblböcks, der irgendwann so berühmt oder auch berüchtigt war, dass die „Tagesschau“ seinen Auto-Crash gegen einen Gurkenlaster vermelden zu müssen meinte.

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          „Ich war jung und brauchte das Geld“, erklärt Küblböck seine medialen Eskapaden und sagt, dass er „viele Sachen im Nachhinein bereue“. Siebzehn war er, als er trotz unüberhörbarer stimmlicher Mängel zum Star wurde, weil er aus der biederen Kandidatenschar herausstach, zweiundzwanzig ist er heute und wirkt ziemlich altersnaseweis. Als Medienkritiker, der hinter die Kulissen geblickt hat, weiß er, dass „DSDS“ erst in zweiter Linie eine Musiksendung ist und das eigentliche Konzept das einer Soap, um deren Protagonisten herum „Geschichten erfunden“ werden. „Mach' diese Schlagzeile, dass wir Platten verkaufen“, hätten auch die Musikfirmen von ihm verlangt. Küblböck brachte seine Medienpräsenz auf Platz eins der Single-Charts, seine im Alter von achtzehn veröffentlichte Autobiographie fand 80.000 Käufer. Anschließend kam sein Film „Daniel - Der Zauberer“ ins Kino, den aber, was bei Plasberg gnädig verschwiegen wurde, schon niemand mehr sehen wollte: Nach einer Woche verschwand das Werk von den Leinwänden. Heute versucht sich Küblböck als Jazz-Sänger.

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